Am 15. April 1959 begann meine Lehre als Schriftsetzer, und im März 2009 ging ich in Rente.

Dazwischen war ich Handsetzer, Maschinensetzer, Fotosetzer und Filmmontierer, bis mir ein Ingenieurstudium den Übergang in eine sich abzeichnende neue Druckvorstufenära eröffnete. Nach dem Ingenieurstudium – das mitten drin zum Fachhochschulstudium umfunktioniert wurde – stieg ich als Assistent der Geschäftsleitung bei einer Lieferfirma ein, um mich 3 Jahre später als Unternehmensberater für Fotosatz und danach für Computer Publishing selbständig zu machen.
Der Trend zum „Do it yourself“ und zur Standardisierung durch Desktop Publishing (DTP) machte uns Beratern das Überleben schwer, also reduzierte ich meine Selbständigkeit auf den Journalismus. Als freier Fachjournalist mit über 30jähriger Schreibtätigkeit beendete ich 2009 meine offizielle Berufsausübung nach 50 Jahren.

Wie hat sich „meine“ Branche, die Druckindustrie, in diesen 50 Jahren verändert! Aus dem Druckhandwerk wurde digitale Medienverarbeitung, der Buchdruck wurde vom Offsetdruck abgelöst, dieser vom Digitaldruck ergänzt und manchmal auch bedrängt. Neben Print wuchs, nein wucherte das Medium Internet. Ich frage mich am Ende meiner beruflichen Laufbahn: Wohin führen die Trends Digitaldruck, Web und Vernetzung noch?

Ich habe in diesen 50 Jahren überzeugende Technologien, faszinierende Produkte und im wahrsten Sinn des Wortes viel-versprechende Hersteller- und Anbieterfirmen kommen und gehen gesehen. Ich beobachtete das alles aus verschiedenen Sichten und neutral. Im Rückblick waren die Veränderungen logisch und positiv für die Printbranche, die sich im Zuge der Digitalisierung und Vernetzung nun „Medienbranche“ nennt. Setzer, Lithografen (Bildbearbeiter) und Metteure (Seitenmontierer) gibt es nicht mehr; ihre Aufgaben werden von Mediengestaltern wahrgenommen.

Dieser Wandel ist, meine ich, mindestens so gravierend, wie es Johannes Gutenbergs Beiträge für den losen Satz (mit Einzelbuchstaben) und den Vervielfältigungs-Buchdruck waren. Er hat, nach 500jähriger Gültigkeit der Gutenbergschen Erfindungen, nur 50 Jahre gedauert. Wer wird ihn für die Nachwelt dokumentieren?

Es gibt nur wenige Zeitgenossen, denen ich das zugetraut hätte. Die meisten davon waren oder sind irgendwie parteiisch (ich meine, bei einem Hersteller angestellt). Aber keiner fühlte sich dazu berufen. Also mache ich mich ans Werk, das mich ein paar Jahre meiner Rentnerzeit beschäftigen wird.

Denn ich habe nicht nur von „meiner“ Branche gelebt, sondern mich darin auch richtig am Platz, ja ausgesprochen wohlgefühlt.

So kam es zu dieser Website, und weil ich weiß, dass ich nicht alles weiß, ermutige ich die Leser, meine Print-Geschichte mit eigenen Erinnerungen und Korrekturvorschlägen zu ergänzen. Im Zeitalter des Internets gibt es dafür ja ideale Möglichkeiten, z.B. eMails.

Mehr zu dieser Website finden Sie in einem Prospekt, den Sie als PDF-Dokument [67 KB] herunterladen können.

Dipl.-Ing. Erich Fritz – im Juli 2010


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