Fotosatz-Systematiken

Wie bei jeder neuen Technologie gibt es auch beim Fotosatz verschiedene Auffassungen, Bezeichnungen und Definitionen der Experten. Zum Beispiel:

– Heißt es Fotosatz oder Lichtsatz?
– Sagt man besser -satzgeräte oder -setzgeräte bzw. -satzmaschinen oder -setzmaschinen?

Im Folgenden seien 3 Systematiken erklärt, die nach verschiedenen Kriterien erstellt wurden.


1. Die Fotosatz-Systematik des BVD

1979 legt der Bundesverband Druck (BVD) ein Arbeitspapier zur Systematik des Fotosatzes vor. Die technische und sozialpolitische Entwicklung sei über die Definition von Fotosetzmaschinen, Fotosetzgeräten und Fotosetzsystemen hinweggeeilt, erläutert der BVD. Geblieben aber sei die Notwendigkeit, die Terminologie und Systematik festzulegen, neu zu ordnen und übersichtlich zu gestalten. Diese Aufgabe habe der Bundesverband jetzt abgeschlossen und damit den Sprachen- und Definitionswirrwarr auf diesem Gebiet beendet.
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Anmerkung: Die folgenden Erklärungen beziehen sich auf eine Abbildung, die Sie als PDF-Dokument über diesen Link öffnen können.
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Aus dem Arbeitspapier des BVD:

Zwei große Gruppen stehen am Kopf der Unterteilung: Fotosetzgeräte und Fotosetzsysteme.
Fotosetzgeräte haben keinen automatischen Zeilenausschluß, sodass Blocksatz oder Satz auf Mittelachse in Fotosetzgeräten nur durch zweimaliges Setzen hergestellt werden können.
Ein Fotosetzsvstem dagegen kann automatisch Zeilen ausschließen, die Dicktenwerte (Breiten der Drucktypen) werden gezählt.

Die Fotosetzgeräte sind untergliedert in
Titelsetzgeräte, z. B. „Staromat“, „Starograph“,
Liniergeräte, z.B. „Dialiner“, „Fotoliner“ und
Akzidenzgeräte, z.B. „Diatype“.

Bei den Fotosetzsystemen wird unterschieden zwischen Kompaktsystemen und Verbundsystemen. Merkmal der Kompaktsysteme ist, daß Erfassung, Verarbeitung und Ausgabe in ein kompaktes System integriert, d.h. entweder in einem gemeinsamen Gehäuse oder durch eine starre Verbindung zusammengeschlossen, sind. Jede der drei Prozessstufen ist dabei nur einfach ausgelegt. Sobald dieses Verhältnis geändert wird, z.B. durch Erweiterung um einen zweiten Erfassungplatz, wird das Kompaktsystem bereits zu einem kleinen Verbundsystem.
Die Kompaktsysteme sind nochmals untergliedert in Systeme mit Datenträger und Systeme ohne Datenträger. Diese Unterscheidung wird deshalb getroffen, weil hier ein wesentliches Unterscheidungskriterium vorliegt, das dazu führt, daß Systeme mit Datenträger zu Verbundsystemen ausgebaut werden können, was bei Kompaktsystemen ohne Datenträger nicht möglich ist.

Bei den Verbundsystemen wird nach der Systemarchitektur unterschieden in Online-Systeme und Offline-Systeme. Beide Gruppen bestehen jeweils aus Hardware und Software.
Die Hardware wiederum ist nochmals untergliedert in Geräte und Maschinen zur Erfassung, Verarbeitung und Ausgabe.

Hierbei ist der Begriff Verarbeitung so zu verstehen, daß darunter alles subsumiert wird, was weder zur Erfassung noch zur Ausgabe gehört, also nicht nur die computermäßige Verarbeitung des Textes durch Ausschließen und Silbentrennung, sondern auch der gesamte Bereich Korrektur, Gestaltung und Speicherung inkl. der hierfür erforderlichen Zwischenausgaben.

Unter Ausgabe sind lediglich die reinen Belichtungseinheiten zu verstehen. Diese können untergliedert werden in optomechanische Belichtungseinheiten, CRT-Belichtungseinheiten und Laser-Belichtungseinheiten.
Aus dieser Definition folgt, daß alle anderen Ausgabeeinheiten, die für Zwischenausgaben verwendet werden, z.B. Schnelldrucker, in diesem Zusammenhang dem Arbeitsschritt Verarbeitung zuzurechnen sind.
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Diese „Systematik Fotosatz“ des BVD ist nicht unumstritten – aber immerhin eine Basis, die man sich zu eigen machen kann, oder auch nicht. Ab dem 1. März 1980 ist sie deutschlandweit auch tariflich untermauert: Danach gibt es einen Bereich, für den allein der Manteltarif für die gewerblichen Arbeitnehmer der Druckindustrie gültig ist (Fotosetzgeräte und Fotosetzmaschinen), und einen Bereich, der dem Tarifvertrag über Einführung und Anwendung rechnergesteuerter Textsysteme untersteht (Verbundsysteme).


2. Gliederung nach Einsatzgebieten

Typische Gliederungsmerkmale für Fotosetzeinrichtungen sind

– Schriftbildträger (Trommel, Grid, Scheibe) oder digitale Aufbereitung,
– elektronische Bauteile (Transistoren, gedruckte Schaltungen, Mini- oder Mikrocomputer),
– Einsatzgebiete (glatter Satz, schwieriger Satz) und
– das Preis-/Leistungsverhältnis.

Hier eine Gliederung nach Einsatzgebieten (PDF-Dokument zum Herunterladen).


3. Gliederung nach Art der Zeichenbildung

... und schließlich noch eine Unterscheidung nach Art der Zeichenbildung (PDF-Dokument zum Herunterladen)also der Technik, mit der die Zeichen auf dem Fotomaterial entstehen: durch Projektions- oder Strahlbelichtung.


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