Die 4 Zeitalter

Vor Johannes Gutenberg, also vor 1450, wurden die Seiten eines Buches von Hand geschrieben und illustriert. Jedes Buch, jede Seite, jeder Buchstabe war ein Unikat und nicht mehr veränderbar.
Gutenberg entflechtet die Buchherstellung in 2 Phasen: den Satz mit Einzelbuchstaben, „Lettern“ – und die Vervielfältigung, den „Druck“. Die Lettern können beliebig zusammengesetzt, von ihrer Oberfläche gedruckt und nachher wieder einzeln abgelegt und für neue Zwecke wiederverwendet werden. Eine geniale Erfindung, die aus heutiger Sicht wie selbstverständlich wirkt.



Zeitalter 1: Bleisatz, Metalldruckstöcke, Hochdruck („Buchdruck“)
(ca. 1450 bis 1960)



Seit Gutenberg, über 500 Jahre lang, wird also von wiederverwendbarem Metall gedruckt. Von Bleilettern, später kommen für größere Buchstaben Holzlettern hinzu. Für Zeichnungen werden verschiedene manuelle Techniken eingesetzt, z.B. Holz-, Linol- oder Bleischnittschnitt. Um Bilder mit vielerlei Tonwerten zwischen Weiß und Schwarz zu drucken, müssen erst die Fotografie und die Punktrasterung („Autotypie“) erfunden werden. Gedruckt wird im Hochdruck – alle druckenden Teile müssen hoch, die nichtdruckenden Teile deutlich tiefer liegen –, der von seiner Herkunft her, dem Bücherdruck, auch „Buchdruck“ genannt wird.

Aufgabenverteilung:
1. Der Kunde liefert Auftragsdaten für die Produktionsplanung und -steuerung (sie kommen auf oder in die Auftragstasche), seine Gestaltungsidee („Scribble“, oder er überlässt der Druckerei die Gestaltung), das Textmanuskript (zum Abschreiben = Texterfassung), die Bildvorlagen auf Papier oder Film.
2. Handsetzer setzen den Text aus Einzelbuchstaben, die sie Schriftkästen entnehmen, im „Winkelhaken“ hintereinanderreihen und „ausschließen“ (und nach dem Ausdrucken wieder in die Kästen „ablegen“).
3. Reprofachleute reproduzieren die Bildvorlagen (Aufsichtvorlagen oder Dias) auf Film, um sie zu bearbeiten und Farbauszüge zu erstellen.
4. Der Chemigraf überträgt diese auf fotomechanischem Weg, per Strich- oder Rasterätzung, auf Druckstöcke („Klischees“).
5. Ein Metteur, oft auch der Setzer, puzzelt den Text und die Bilder-Druckstöcke zu Seiten („Kolumnen“) zusammen, macht Probeabzüge für die Hauskorrektur, führt diese aus und macht dann Kopien zur Prüfung durch den Kunden.
6. Die Korrekturwünsche des Kunden werden wieder von Setzern, Reproduktionern oder Metteuren ausgeführt.
7. Die fertigen Kolumnen werden auf „Schiffen“ oder „Portopagen“ (Blech- oder Kartonunterlagen) zur Formvorbereitung transportiert, wo sie „ausgeschossen“ (in richtiger Reihenfolge) in einem Rahmen platziert und festgeschlossen werden.
8. Dieser Rahmen wird auf dem Fundament der Hochdruckmaschine befestigt, leichte Höhenunterschiede zwischen den Lettern und Druckstöcken gleicht man durch Unterlegen von Papierstückchen aus („Zurichtung“).
9. Fertig zum Druck!

Spezialproblem Korrektur: Text-, Bild- und Seitenkorrektur über Papierabzüge; Farbproofs über analoge Verfahren, die den Film als Grundlage nutzen. Von der Form müsste ein Andruck in der Druckmaschine gemacht werden.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts und besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden Anstrengungen gemacht, die manuellen Tätigkeiten in Satz und Repro durch Maschinen zu vereinfachen und beschleunigen: etwa durch Maschinensatz (Zeilensetzmaschinen von Linotype, Einzelbuchstaben-Setzmaschinen von Monotype) oder durch Klischografen (Dr. Hell) zur elektromechanischen Herstellung von Bilder-Druckstöcken.

Für arbeitsteiligen Mengensatz, vor allem bei Zeitungen, Zeitschriften und Büchern, werden lochbandgesteuerte Texterfassungsgeräte (Perforatoren), Bleisatzcomputer (für Silbentrennung und Zeilenausschluss), Korrekturstationen zur Bandverschmelzung (Original- + Korrekturband ergeben ein neues, korrigiertes Lochband) und Setzmaschinensteuerungen eingeführt.



Zeitalter 2: Film und Flachdruck („Offset“)
(ab ca. 1960)


In den 1950er-Jahren setzt ein deutlicher Trend ein: weg vom Metall, hin zum Film. Auf den Setzer kommt der Film- oder Fotosatz zu, auf den Reproduktioner der Scanner; und unter dem Maschinendeckel steckt immer ein Minicomputer mit zunehmenden Automatismen, über die Silben- und Farbentrennung hinaus. Wobei mit „Mini“computer nicht dessen Leistungsfähigkeit angezweifelt werden soll, sondern ausgedrückt wird, dass es sich um in Maschinensprache programmierte, proprietäre Spezialrechner handelt, typischerweise von Digital Equipment (DEC), Data General oder Siemens.



Was ist neu? Druckvorstufen mit elektronischer Unterstützung durch proprietäre Satzcomputer und Bildscanner. Der Foto-, Film- oder Lichtsatz kommt, wie allein schon die Bezeichnungen verraten, in vielerlei Varianten (und wird in eigenen Kapiteln unter „Technologien“ ausführlich erklärt). „In den 1970er-Jahren kommen die Scanner auf, mit denen Bildvorlagen optoelektronisch abgetastet, elektronisch gerastert und separiert sowie entweder mit einem Laser direkt auf Film aufgezeichnet oder zunächst als digitale Daten zur weiteren Bearbeitung in ein Bildbearbeitungssystem gespeichert werden." (H.Kipphan: „Handbuch der Printmedien“, Springer-Verlag 2000, S.26).
Die Datenträger Magnetbandkassette und Floppy Disk kommen aus der IT auch in die Druckerei, Festplatten unterstützen den Aufbau kleinerer Systeme mit Online-Zugriff durch periphere Arbeitsplätze. Von großer Bedeutung, und bald nicht mehr wegzudenken, ist die sich schnell durchsetzende Bildschirmkorrektur. Von draußen, aus Büros, wo zunehmend Textverarbeitungssysteme im Korrespondenzwesen eingesetzt werden, sollen die Druckereien bespielte Datenträger (Bandkassetten, Floppies) übernehmen: Der „Bürosatz“ und die damit zusammenhängenden Konvertierprobleme sind geboren.

Hauptnachteil des Fotosatzes ist, dass „vorn“ der Text mit Gestaltungsbefehlen eingegeben, das Resultat aber erst „am Ende“, nach der Belichtung, sichtbar wird; man spricht von einem „Blindflug“. Um Irrtümern so gut wie möglich vorzubeugen, ist eine Manuskriptvorbereitung obligatorisch. „Makros“ erleichtern das Arbeiten mit den unanschaulichen Satzbefehlen. Das sind Befehlsketten für Gestaltungen, die innerhalb eines Auftrags wiederholt vorkommen, im Rechner abgespeichert und bei der Texterfassung über „Makrokürzel“ initiiert, aber erst beim Satzrechnen in vollem Umfang berücksichtigt werden.

Aufgabenverteilung:
1. Der Kunde liefert Auftragsdaten für die Produktionsplanung und -steuerung (sie kommen auf oder in die Auftragstasche), seine Gestaltungsidee („Scribble“, oder er überlässt der Druckerei die Gestaltung), das Textmanuskript (zum Abschreiben = Texterfassung), die Bildvorlagen auf Papier oder Film.
2. Manuskriptvorbereitung mit Einschreiben der Satzbefehle und Makrokürzel.
3. Fotosetzer erfassen über schreibmaschinenähnliche oder Spezialtastaturen den Text samt Satzbefehlen und Makrokürzeln, lassen ihn interaktiv oder von einem separaten Satzcomputer ausschließen und dabei silbentrennen, und steuern einen Belichter, der eine „Satzfahne“ oder manuell „umbrochenen“ Flächensatz auf Film oder Fotopapier ausgibt. Hand- oder Maschinenentwicklung, Trocknen.
4. Reprofachleute scannen die Bildvorlagen (Aufsichtvorlagen oder Dias) auf Film oder Fotopapier, um sie zu bearbeiten und Farbauszüge zu erstellen.
5. Ein Montierer, manchmal auch der Setzer, schneidet die Text- und Bilderfilme/-fotopapiere zurecht und klebt sie zu Seiten, macht Durch- oder Aufsichtkopien für die Hauskorrektur, führt diese aus und macht dann Kopien zur Prüfung durch den Kunden.
6. Die Korrekturen, Haus- oder Kunden-, werden wieder von Setzern, Reproduktionern und Montierern ausgeführt.
7. Die fertigen Film- oder Papiermontagen werden vom Setzer oder in der Bogenmontage „ausgeschossen“ und auf Druckplatten kopiert.
8. Fertig zum Druck!

Spezialproblem Korrektur: Text-, Bild- und Seitenkorrektur über Papierabzüge; Farbproofs über analoge Verfahren, die den Film als Grundlage nutzen. Von der Form können Blaupausen („Ozalidkopien“) zur Stand- und Inhaltsprüfung gefertigt werden.


In der 2. Ära gehen die Entwicklungen beim Druck und in den Vorstufen „Hand in Hand“. Das Ziel, fotografische Materialien – Film oder Fotopapier – direkt zur Erstellung der Druckformen zu nutzen und die Metallarbeiten einzusparen, wird innerhalb kurzer Zeit erreicht. Der Fotosatz und der Offsetdruck, der auf der Abstoßung zwischen (öliger) Farbe und Wasser für druckende und nichtdruckende Partien auf einer flachen Aluminiumplatte beruht, bestimmen in den kommenden 25 Jahren die Produktion; der Bleisatz und der Hochdruck verlieren an Bedeutung.



Zeitalter 3: Desktop Publishing mit Laser-, Offset- und Digitaldruck
(ab 1984/85)



Die 3. Ära wird durch das Erscheinen des Apple „Macintosh“, Aldus „PageMaker“ und des „LaserWriter“-Druckers mit Adobe „PostScript“ eröffnet. Sie demokratisiert – so kann man schon sagen – das Erstellen von Drucksachen. Mit einem Arbeitsplatzcomputer, zweckmäßigen, einfach bedienbaren Gestaltungsprogrammen und einem Laserdrucker kann plötzlich jeder publizieren.
Der Trend zu erschwinglicher Standard-IT auf dem Schreibtisch („Desktop“) und zum „Do it yourself“-Spaß gibt dem Verfahren seinen Namen – Desktop Publishing, kurz DTP – und erschüttert die Druckbranche von Grund auf. Dazu trägt bei, dass die Neu-Gestalter ernstgenommen werden und ihre Werke den Profis bringen wollen, wenn sie statt laser-zu-drucken auch mal offset-drucken lassen möchten.
Zudem kommt anfangs der 90er-Jahre mit Digitaldrucksystemen von Xeikon und HP eine Konkurrenz zum Offsetdruck an den Markt, über die – wie beim Desktop Publishing – mancher gestandene Druckprofi erstmal lächelt, weil er deren Qualitäten nicht als „good enough“ bewertet. Aber das Lächeln wird im Lauf der kommenden Jahre erstarren. Denn mit zunehmender Akzeptanz der DTP-Techniken nicht nur bei „Möchte-gern-Publishern“, sondern auch in Druckereien, die ebenso dankbar sind für eine kostengünstige Systemlösung, kommt der Fotosatz ins Wanken. Ob das Ausgabegerät ein kleiner Apple „LaserWriter“ oder eine große HP „e-Print“ oder Xeikon „DCP-1“ ist, ist lediglich eine Frage des Geldbeutels und Produktionsvolumens. Und, nicht zu vergessen, des Marketings.

Das Selbermachen des Kunden führt dazu, dass in der Druckerei Satz- und Reprofunktionen wegfallen, die Verantwortung für Fehler oft unklar ist („Wir lesen keine Hauskorrektur, weil der Kunde für seine Inhalte zuständig ist“) und die Datenübernahme an Bedeutung zunimmt. Damit einher geht ein Berufswandel: Setzer und Reprofachleute gibt’s nicht mehr, ihre Fähigkeiten werden im „Mediengestalter“ zusammengefasst. Seine Voraussetzungen definiert Bundesverband für Druck und Medien so: „Das wichtigste Werkzeug des Mediengestalters ist der Computer. Freude am Umgang mit Hard- und Software sowie Kreativität sind beim Gestalten mit Schriften, Bildern, Formen und Farben wichtige Voraussetzungen. Gutes Seh- und Farbunterscheidungsvermögen und gute Rechtschreibkenntnisse sind außerdem erforderlich. Für den Umgang mit Kunden, Werbeagenturen und Kollegen sind Teamfähigkeit, Kontaktfreudigkeit und Kommunikationsfähigkeit gefragt.“ Gesucht sind also Superkönner auf fast allen Vorstufengebieten.

Was ist neu? Der „Macintosh“-Computer bringt die von Xerox erfundene Maus-und-Menü-Bedienung mit und die für gestalterisches Arbeiten so sehnlichst gewünschte originalähnliche Bildschirmdarstellung („Wysiwyg, What you see is what you get“). Layoutprogramme wie „PageMaker“, „ReadySetGo“, „Quark XPress“ und später Adobe „InDesign“ werden nach anfänglichen Schwächen professioneller und lösen erfolgsverwöhnte Fotosatz-Gestaltungsprogramme ab, nicht zuletzt wegen ihrer gestaltungskonformen Bildschirmansicht, die humaner ist als der Umgang mit unanschaulichen Satzbefehlen.
Ähnlich drastisch beeinflusst das Bildbearbeitungsprogramm „Photoshop“, das Adobe 1990 an den Markt bringt, die proprietär orientierte EBV-(elektronische Bilkdverarbeitungs-)Szene, nicht zu vergessen die Digitalfotografie, die nach filmloser Verarbeitung „schreit“.
Laserdrucker gab’s zwar schon vorher, aber statt deren Schreibmaschinenschriften bietet Adobes „PostScript“ im „LaserWriter“ (und in vielen Nachkömmlingen) originale Satzschriften wie „Times“, „Helvetica“ und „Palatino“ und die punktweise Flächenaufzeichnung, die für umbrochene Seiten mit Text und Bildern erforderlich ist.
Der „Raster Image Processor“, kurz RIP, fördert den Trend zum Seitenumbruch und löst nach und nach die „Fahnen“-(„Galley“-)Ausgabe der Fotosatzbelichter ab. Er ist sogar die Grundlage einer neuen Maschinenkategorie: des „Imagers“, Flächenbebilderers, der, ein größeres Belichtungsformat vorausgesetzt, auch mehrere Seiten auf einem Film unterbringt – womöglich ausgeschossen. Was uns zur höchsten Stufe des „Imaging“ bringt: dem Bebildern ausgeschossener Druckformen, erst auf Film (zum Kopieren auf die Druckplatte), später direkt auf die Platte.
Wenn man so will, ist Desktop Publishing gleich auch die Geburtsstunde des „CtP, Computer to Plate“-Verfahrens, das Mitte der 1990er-Jahre von Creo ausging und in der Effizienz nur noch von „Computer to Print“ übertroffen wird – der Übertragung digitaler ausgeschossener Druckformen in die Druckmaschine, wie das beim Digitaldruck geschieht.

Aufgabenverteilung:
1. Der Kunde liefert Auftragsdaten für die Produktionsplanung und -steuerung (sie werden in ein Auftragsmanagementsystem eingegeben und kommen in eine digitale Auftragstasche, die man an Produktionsbildschirmen einsehen und aktualisieren kann). Seine Gestaltungsvorstellungen realisiert der Kunde, mehr oder weniger professionell, mit Desktop-Publishing-Methoden. Die Druckerei, der er sein gestaltetes Dokument – oft im „Word“-Format, seltener in „PageMaker“, „XPress“ oder „InDesign“ – samt Digitalfotos per Datenträger oder eMail schickt, muss es halt richten.
2. Ein Mediengestalter übernimmt und konvertiert evtl. die Kundendaten, bearbeitet das digitale Bildmaterial, kontrolliert und „veredelt“ (so bezeichnen manche Fachleute die Bereinigung einer fehlerhaften, unpräzisen Kundengestaltung), schießt die Arbeit digital aus.
3. Wenn man Zeit hat und/oder wenn es ein wichtiger Kunde (und nicht nur ein „Preisdrücker“) ist, schickt man ihm einen Ausdruck der bearbeiteten Seiten, oder gar der ausgeschossenen Form, zur Prüfung.
4. Korrekturen werden vom Mediengestalter ausgeführt – aber wer übernimmt die Kosten?
5. Die ausgeschossenen Formen werden auf Ganzfilm belichtet und auf Druckplatten kopiert ...
6. ... oder gleich digital zum Plattenrekorder geschickt (CtP).
8. Fertig zum Druck!

Spezialproblem Korrektur: Text-, Bild- und Seitenkorrektur gegebenenfalls durch Papierausdrucke oder über ein PDF-Dokument; Tendenz: Softproof am Monitor mit Kommunikation im Internet. Farbproofs über digitale Verfahren. Von der Form lassen sich Drucke, evtl. Vorder-/Rückseite, über einen Großformat-Inkjetdrucker anfertigen.



4. Cloud Publishing = vernetzte Produktion übers Internet
(ab der „Drupa 2004“, die auch „JDF-Drupa“ genannt wird; im Zeitungsbereich schon früher, wenn auch mit proprietärer Systemvernetzung)


Ich nenne die 4. Phase „Cloud Publishing“ in Anlehnung an den IT-Trend zum Cloud Computing, und auch mit der 3. Phase „Desktop Publishing“ im Hinterkopf; eine andere Stelle, die schweizerische Fachzeitschrift „Publisher“, schlägt für die neueste Phase die Bezeichnung „Publishing 3.0“ vor. Beiden Namen gemeinsam ist, dass sie dem hauptsächlichen Kommunikationsmedium Rechnung tragen: dem Internet.
„Cloud Publishing“ ist aber vielleicht die aussagekräftigere Bezeichnung. Gegenüber der Vorphase, dem „Desktop Publishing“, das eine Revolution am Arbeitsplatz unterstrich, meint „Cloud Publishing“ die Revolution draußen im Internet, das wie eine undurchsichtige Wolke wirkt. Genau das ist Cloud Computing bzw. Cloud Publishing: Der Anwender, der seine Anwendungen aus dem Internet bezieht, seine Daten dort ablegt und wieder abruft, weiß nicht, wo genau im Netz das physisch passiert. Er braucht auch, wenn das mal alles eingerichtet ist, keinen aufgeblasenen „Mac“ oder „Windows“-PC mehr, sondern nur noch einen mageren Client-Computer mit Webbrowser.

„Publishing 3.0“ stellt die weltweite Zusammenarbeit aller derjenigen, die irgendwas publizieren wollen, in den Vordergrund, analog zum „Web 3.0“. Wie dem auch sei: Beide Namen treffen zu und widmen sich dem „Haupttäter“ Internet.

Eine spezielle Variante ist Web-to-Print, ein Verfahren, das dem Kunden Gestaltungsfunktionen über seinen Webbrowser ermöglicht und überwiegend dem Digitaldruck zuarbeitet. Auf Kundenseite kann ein Web-to-Print-System derart ausgelegt sein, dass darüber mehrere Abteilungen, Filialen oder Ländervertretungen korrespondieren und das Drucken im wahrsten Sinn des Wortes in den Hintergrund rückt. Manchmal werden die erstellten Dokumente überhaupt nicht mehr gedruckt, sondern auf einen Webserver gestellt, für den Zugriff von überall her. Web-to-Print ist heute, beim Schreiben dieser Zeilen Ende 2010, Realität.




Was ist neu? Beim „Cloud Computing“ bzw. „Cloud Publishing“ der Verzicht auf eigene Hard- und Software, die Reduzierung aufs Nötigste im Haus und ein Mietvertrag über alles andere.
Vorteile: Der Mieter muss nicht in die Infrastruktur einer anspruchsvollen EDV-Anlage investieren, obwohl er eine nutzt – aber er muss sich nicht um deren Leistungsfähigkeit, Sicherheit, nicht um das Backup und die Versionsaktualisierungen der von ihm genutzten Programme kümmern.
Nachteile: Er muss regelmäßig Miete zahlen, weiß nicht wirklich, wer seine Daten speichert und wo, vertraut gewissermaßen einem Unsichtbaren. Daran muss man sich wohl erst gewöhnen.
Wie meint Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, der Präsident des Hightech-Verbands Bitkom? „Cloud Computing wird die Informationswirtschaft, ihre Technologien und ihre Geschäftsmodelle nachhaltig verändern. In weniger als 10 Jahren werden viele Unternehmen ohne hauseigene IT und Rechenzentren auskommen. Dann werden fast alle Unternehmen Cloud Computing nutzen – zumindest ergänzend.“ (PI 12.3.2010 Bitkom)
Und fast alle Druckereien, Verlage und ihre Kunden werden Cloud Publishing nutzen – oder nicht?

Aufgabenverteilung: Die Zusammenarbeit übers Internet mit zunehmender Interaktivität und digitaler Produktionssteuerung und -kontrolle, durchgehender Vernetzung auf Basis offener Systeme, mit einem Standard wie JDF, dem „Job Definition Format“ der Cip-4-Organisation, ermöglicht folgenden Workflow: Der Kunde schickt Auftrags- und Produktionsdaten online, die Druckerei steuert und kontrolliert den Workflow von nun an digital (bis hin zur Druckmaschine, oder auch weiter bis zur Weiterverarbeitung, oder noch weiter bis hin zur Versandsteuerung).
In den Online-Workflow miteinbezogen sind die Prüfung der Kundendaten vor Eingang ins Workflowsystem und die Seiten- und Bogenkontrolle/-korrektur durch den Kunden (per PDF oder Monitor-Proof).
Voraussetzung ist ein Auftragsmanagement (auch MIS = Management-Informationssystem) mit digitaler Auftragstasche, das die Datenkontrolle und das Ausschießen erledigt und zur Steuer- und Informationszentrale des ganzen Workflows wird – auch für den bzw. die Kunden.


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