2007


Das Jahr der „Helvetica“:
Die populäre serifenlose Schrift erlebt ihren 50. Geburtstag.
Die Farbe des Jahres: Pantone wählt die Farbe „Pantone 19-1557 Chili Pepper“, ein tiefes, „scharfes“ Rot, zur Farbe des Jahres 2007. Der starke Farbton ist auffällig, mondän und wirke verführerisch. Dies macht ihn laut Pantone ideal für Mode und bringt die Persönlichkeit zum Ausdruck.
In der Schweiz tritt ein neues Berufsbild Polygraf/in in Kraft. In Deutschland regelt ab 1.8. eine neue Verordnung die Ausbildung zum Mediengestalter / zur Mediengestalterin – in 3 Fachrichtungen: Konzeption und Visualisierung, Gestaltung und Technik, Beratung und Planung. Ab Herbst wird an der HdM, Hochschule der Medien in Stuttgart der Masterstudiengang „Print and Publishing“ angeboten.
Aprilscherz mit Folgen: Die Heidelberger-Druck-Tochtergesellschaft mit Sitz nahe Schanghai hat ihren Namen geändert – von Heidelberg in Heidelbelg, Beweisfoto inklusive. Die Leser einer chinesischen Fachzeitschrift, die über diese Meldung im „Deutschen Drucker“ berichtet, verstehen den Scherz kulturgemäß nicht, und reagieren irritiert.
Das Versal ß soll in den Zeichensatz ISO 10646 („Unicode“) aufgenommen werden. Dazu ein Leserbrief von Andreas M. Zeisler, Deutscher Genossenschafts-Verlag, Wiesbaden: „Ein Versal-,ß‘ hat im Zeichensatz unserer Schrift nichts zu suchen.“
VistaPrint verklagt Druckereien wegen Verletzung von Web-to-Print-Patentrechten. Kommentar des W2P-Experten Bernd Zipper: „VistaPrint plant weltweit weitere Prozesse im großen Stil. Darüber hinaus ist das Unternehmen nicht einmal bereit, Lizenzen zu vergeben. Im Hinblick auf das recht allgemein gehaltene Patent ist dies ein sehr zweifelhaftes Vorgehen. Die Frage ist doch: Hat tatsächlich allein VistaPrint computerimplementierte Methoden und Systeme für die Erstellung von Druckvorstufen-Dateien entwickelt? Wie berechtigt ist dieses Patent eigentlich? Die angekündigte ,langwierige und beständige Serie an Patentrechtsprozessen‘ klingt nach Angriffslust. Scheinbar hat das gute alte Motto ,Konkurrenz belebt das Geschäft‘ ausgedient.“



Die Gutenberg-Druckpresse – aber hat Johannes Gutenberg tatsächlich auch die Einzellettern erfunden?

Prof. Bruno Fabbiani vom Polytechnikum in Turin überrascht die Branche mit seinem Forschungsergebnis: Nicht Johannes Gutenberg, sondern der Elsäßer Johannes Mendelin erfand den Letternsatz und druckte 1456 bis 1458 die 49zeilige Bibel im beweglichen Letternsatz (DD11.10.).

Gründungen: IBM und Ricoh gründen ein Joint Venture auf Basis der IBM Printing Systems Division: die InfoPrint Solutions Services Company; ab 1.7. ist das Joint Venture offiziell. Weitere neue Firmen sind Pixelmator, GB, und Pro2col Lt Deutschland (zur Betreuung der Hermstedt-Kundschaft in DACH). Mit DotLine stellt sich ein neuer CtP-Belichter-Hersteller für den Zeitungsbereich vor.

Übernahmen: Adobe übernimmt den Hosted-Services-Anbieter Scene 7 und Virtual Ubiquity (Online-Textverarbeitung „Buzzword“). Apple übernimmt Proximity (Asset-Management-Software „Artbox“). Artwork Systems und Esko fusionieren zu EskoArtwork (Vollzugsmeldung im Juli). Atex übernimmt Mactive, Schweden und USA. Die schwedische Elanders-Gruppe übernimmt Sommer Corporate Media, Waiblingen. Die Magix AG, D, übernimmt Xara, GB (Entwickler von Grafikprogrammen). Agfa verkauft Xitron an VGI, Vanguard Graphics International. Hewlett-Packard übernimmt die MacDermid Colorspan Inc., USA.
X-Rite mausert sich mit der Übernahme der Pantone Inc. zum „neuen Farbenmogul“ (M.Seidl in PV9-10): „Das war wohl die Sensation der letzten Wochen. Mit der Übernahme von Pantone hievte sich X-Rite sozusagen in den Farbenolymp. Das Unternehmen wird in Zukunft eine dominierende Rolle im Farbbereich einnehmen und verfügt nun über ein komplettes Arsenal an Lösungen. Und das wohlgemerkt nicht nur in der Druckindustrie, in der man mit Spektralfotometern, Densitometern und Colormetern sowie mit On-Press-Systemen bei Heidelberg und Komori vertreten ist.
Nicht zu vergessen sind die dazu passenden Software-Lösungen. Mit der Übernahme von Pantone bekommt das Unternehmen nicht nur Zugang in den Kreativmarkt, sondern ist auf einmal mittendrin in der Textil-, Auto-, Kunststoff-, Interieur- und Architekturszene. Pantone hat hier bereits großen Einfluss und ist beispielsweise im Fashion-Bereich immer vorne dabei, z.B. wenn es um die Farbtrends für den Herbst 2010 geht.
Was kann man sich von der neuen Allianz erwarten? Abgesehen von den marktpolitischen Interessen des Farbgiganten hoffentlich auch Projekte und Lösungen, die Farbmanagement und die Durchgängigkeit von Farbe über mehrere Ebenen hinweg vereinfachen und gleichzeitig sicherer machen.“



Produktneuheiten
gibt’s vor allem bei Digitalkameras und für vielerlei Anwendungen im Digitaldruck: Systeme schwarzweiß oder farbig, Bogen oder ab Rolle, Inkjet oder Laser, klein- bis großformatig, Multifunktions- bis Transpromo-geeignet. Softwaremäßig leisten viele neue oder „upgegradete“ Produkte Beiträge zur Verbesserung von Workflows – welche auch immer. Einzelheiten darüber finden Sie im Detailbericht: ein PDF-Dokument zum Herunterladen.

Der Software-Knüller des Jahres ist Adobes „Creative Suite“ in der Version 3, kurz „CS 3“. Die Hauptanwendungen „Photoshop CS 3“ und „InDesign CS 3“ werden in der Fachpresse unzählige Male behandelt, oft mit ausführlichen Anwendungsberichten.
Wirklich neue Impulse gibt es für Digitalfotografie-Profis:
– Konvertierprogramme für Bilder im Raw-Kameraformat (C.Künne bezeichnet sie in „DOCMA“ Nr.16 als „Werkzeuge für rohe Pixel“), wie Adobe „Lightroom“, Apple „Aperture“, Bibble Labs „Bibble“, DxO „Optics Pro“ und Light Crafts „LightZone“,
– und die Erstellung und Bearbeitung von HDR-Bildern (HDR steht für High Dynamic Range). Die HDR-Techniksei „schärfer als das Leben“ (PF6), und G.Schuler lobt in PX7-8 ihre „Farbtiefe der Zukunft“. Kurz: „Mit HDR überwindet man die Grenzen der Fotografie“ (O.Ketterer in PG12).

Premieren: Die Karl Schwegler AG in Zürich erhält als erste Druckerei weltweit einen VLF-CtP-Rekorder „Ultima 36000“ von Screen, und die Rheinisch-Bergische Druckerei, Wuppertal, setzt als erstes Druckhaus in Deutschland die innovative Zeitungsdruckrotation „evolution 473/4“ von Wifag ein, mit den Optionen Direktbebilderung und vollautomatischer Plattenwechsel. KIP Deutschland stellt mit „Color 80“ den ersten Vollfarbdrucker mit LED-Technik für das Format A0 vor.



„FontStars 2007“ heißt ein Schriftensortiment von FontShop. Stephen Coles, Gründer von Typographica.org und Jury-Mitglied, erläutert die Auswahlkriterien: „Unser Ziel war, für jeden Job und jeden Geschmack die beste unter den neuen Schriften zu finden. Spannend war, die Neuerscheinungen des Jahres aufzuspüren, die morgen noch im Trend liegen.“ Zu diesen Trendsettern gehören zum Beispiel „P22 Zaner“, eine kalligrafische Entdeckung mit Extra-Zierbuchstaben, sowie der Zeitungs-Newcomer „Greta Text“ der holländischen Schriftenschmiede Typotheque. Das amerikanische Kult-Label House Industries steuert nicht nur die augenzwinkernde „Blaktur“ bei, sondern auch vier Songs ihres im Mai auf der „Typo“-Konferenz live vorgetragenen Badneck-Samplers.



Marktübersichten
Sie sind das Salz in der Suppe der Fachliteratur. Die Redaktionen greifen folgende Themen aus den Bereichen EDV, Druck und Internet auf:
– DSL-Tarife, sortiert nach Internet-Kosten mit Flatrate (PG12).
– Flachbildschirme ab 20 Zoll (DR10).
– 24 Redaktionssysteme (PS7-8).
– 18 Media-Asset-Management-Systeme (PX5-6): von Adobe, Apple, Brightech, Canto, DAM Group, DTS Medien, Dutchsoftware, Extensis, Focus Enhancement, FotoWare, Heiler Software, Incite Media, Mediamid Digital Services, Microsoft, Neo Geo New Media, Opix, Pixelboxx, Zweitwerk.
– CtP-Systeme für B2 und B3 (PS4).
– Softwarelösungen zum Sparen von Druckfarbe (PX1-2): Agfa „Arkitex Opti-Ink“, Alwan „CMYK Optimizer Print“, Alwan „Link Profiler“, CGS „Oris Ink Saver“, ColorLogic „CoLiPri“ Standard-Profile Expert-Set, ColorLogic „CoLiPri“ Inksave-Modul.
– Farbdrucksysteme für den kreativen Officebereich (VE Nr.5, 20 Modelle von 655 bis 5940 Euro).
– Farb-Digitaldrucksysteme für A3-Produktionen (PS10).
– Papiere für den Digitaldruck (PZ Nr.4, mit Händler- und Produzentenadressen in der Schweiz).
– Zeitungs- und Magazinpapiere für Rollenoffset- und Tiefdruck (in PQ9).
– Sammelhefter (DR12).
– Drucksachen-Webshops in der Schweiz und in Deutschland (PZ Nr.5).
– 17 Internet-Fotodienstleister (CT26.11.).

Umfassende Artikelserien finden sich, neben den schon erwähnten Praxis-Workshops, in der „Zeitungstechnik“ und im „Druckspiegel“:
– Sonderserie „Future Press/Zukunft des Drucks“ (beginnend in ZT2 mit: Digitaldruck für Zeitungen – Potenzial, Produktivität, Szenarien, Wirtschaftlichkeit, Stärken und Schwächen).
– „Vielseitiges Web-to-Print“ (von E.Fritz; Teil 1: Definitionsprobleme in DS3; Teil 2: Presse-sense/That’s it Solutions „iWay Prime“ in DS4; Teil 3: Boretius „trivet.net“ in DS5; Teil 4: BWH „printBOX“ in DS7; Teil 5: Bitstream Pageflex/Konzept-ix „Pageflex“ in DS8, und Teil 6: „Pageflex“-Lösungen in DS9; Teil 7: printdata „OPS, Online Print Shop“ in DS10; Teil 8: e-nvention „RPS, Remote Publishing System“ in DS12).

Gemischter Zahlensalat
„Die 100 besten Schriften aller Zeiten“ (Broschüre des Berliner FontShops). Von den 100 seien hier die 10 besten Schriften aller Zeiten aufgeführt: „Helvetica“ (Max Miedinger, 1957), „Garamond“ (Claude Garamond, 1530), „Frutiger“ (Adrian Frutiger, 1977), „Bodoni“ (Giambattista Bodoni, 1790), „Futura“ (Paul Renner, 1927), „Times“ (Stanley Morrison, 1931), „Akzidenz-Grotesk“ (Günter Gerhard Lange, 1966 bis 1972), „ITC Officina“ (Erik Spiekermann, 1990), „Gill Sans“ (Erik Gill, 1930) und „Univers“ (Adrian Frutiger, 1954).
Die 12 Länder mit dem höchsten Spam-Ausstoß (PF1, S.42): USA 21,6%, China einschl. Hongkong 13,4%, Frankreich 6,3%, Südkorea 6,3%, Spanien 5,8%, Polen 4,8%, Brasilien 4,7%, Italien 4,3%, Deutschland 3,0%, Taiwan 2,0%, Israel 1,8%, Japan 1,7%, andere 24,3%.
25 Jahre „Emoticons“: Vor einem Vierteljahrhundert hatte der Student Scott E. Fahlman die Idee, Emotionen in elektronischen Nachrichten durch Zeichenkombinationen darzustellen (CT3.9.).
EskoArtwork feiert die Auslieferung des 1000. Belichters „Cyrel Digital Imager“ für Flexodruckplatten bei der Scholler GmbH & Co. KG in Nürnberg (DD25.10.).
Fairfax Media, Australien, bestellt bei Atex ein Multi-Media-Publishingsystem für den landesweiten Einsatz, mit 1500 Anzeigen- und 2000 Redaktionsplätzen – eins der größten zentral verwalteten Publishingsysteme der Welt (PI26.4. Atex).
Agfa verkauft das weltweit 2000. CtP-System für die Zeitungsproduktion (PI 9.10.).



Apple, Microsoft, Adobe
Von Adobes neuer „Creative Suite“ war schon die Rede – aber darunter (manche Fachleute sagen lieber „darüber“) liegt ja noch das Betriebssystem. Zwei bedeutende Upgrades von Betriebssystemen kommen im Jahr 2007 heraus: Microsoft „Windows Vista“ und Apples „Mac OS X 10.5“ alias „Leopard“. Im Folgenden seien die Aktivitäten der drei Haupt-Softwarelieferanten in der Druck- und Publishingszene gewürdigt (?): Apple (Computer), Microsoft und Adobe Systems.

Apple – eine Computerfirma? Anfang des Jahres gibt Apple-Chef Steve Jobs den Einstieg in den Handy-Markt und eine Änderung des Firmennamens bekannt: Aus Apple Computer Inc. wird Apple Inc. Eine Ursache für diese Entscheidung ist das neue Produkt „iPhone“. Bald befindet sich „Apple im ,iPhone‘-Fieber“ (S.Hirsch in MW3), für Steve Jobs selbst ist das „iPhone“ „ein wegweisendes und magisches Produkt, das jedem anderen Mobiltelefon um buchstäblich fünf Jahre voraus ist“. Die „c’t“ begeistert: „Apple erfindet das Handy neu.“ Der Hype um das „iPhone“ ist aber „…nichts anderes als die Bestrafung für 10 Jahre grauenvoll schlechte Handy-Software, für 10 Jahre verbogene Finder und stilles Verzweifeln auf der Suche nach der Zeitzoneneinstellung.“ (Editorial S.Hirsch in MW8).
29.6.: An diesem „iDay“ verkauft „iGod“ Apple die ersten „iPhones“ in den USA. In D ist das „iPhone“ ab 9.11., dem deutschen „iDay“, verfügbar, und zwar ausschließlich über T-Mobile.
Aus der Settop-Box „iTV“ wird „Apple TV“. Und: Laut Apple sind bisher mehr als zwei Milliarden Songs, 50 Millionen TV-Folgen und über 1,3 Millionen Spielfilme im „iTunes“-Store gekauft und heruntergeladen worden (PI9.1.). Apple eine Computerfirma? Ein populärer Irrtum: „Der Bilanz vom März zufolge machen Musikprodukte wie ,iTunes‘ und ,iPod‘ schon über 44% des Umsatzes von 5,26 Milliarden Dollar aus – mit steigender Tendenz“. (CN7)

Aber ja doch, auch der „Mac“ existiert noch. Ihm wird ein wichtiges Betriebssystem-Upgrade spendiert: „Mac OS X 10.5“ alias „Leopard“. Das kommt allerdings nicht, wie angekündigt, „in der ersten Jahreshälfte“, sondern – wohl als Reaktion auf „Windows Vista“ – erst im Oktober, mit neuem Desktop und „Finder“ – laut Steve Jobs als „erstes 64-Bit-Betriebssystem für die Massen“. Am 26.10. ist endlich „der ,Leopard‘ los“ (PG12): „Mac OS X 10.5“ ist weltweit verfügbar.
Apple auf mehreren Standbeinen (S.Hirsch in MW12): „Mit ,Mac OS X‘ hat der ,Mac‘ ein solides Software-Fundament, auf das Apple noch viele Jahre setzen kann. Die neue Version, 10.5, zeigt gerade wieder einmal, dass noch große Potenziale im ,Mac‘-System stecken. Und die Verwendung in ,iPhone‘, ,iPod Touch‘ und ,Apple TV‘ zeigt, welch kluger Schachzug der Umstieg vor zehn Jahren war. Mit Intel hat Apple zudem einen starken Partner an der Seite, der für kontinuierliche Weiterentwicklung der Hardware-Fundamente sorgt. Und mit ,iPod‘ und ,iPhone‘, ,iTunes‘ und ,Apple TV‘ schafft sich Apple gleich mehrere Standbeine in zukunftsträchtigen Märkten.“
Microsoft bringt „Windows Vista“ am 30.1. in den Handel, gleichzeitig mit dem Büropaket „Office 2007“, schielt aber auch nach dem erfolgreichen Server-Betriebssystem „Linux“ und vereinbart eine Kooperation über 5 Jahre mit Novell, dem Unternehmen hinter „SuSe Linux“. Aber: Dank „GPLv3, GNU Public License 3“ der FSF, Free Software Foundation könnte der Deal schon bald illegal sein (PF3). Aus Novell „SuSE Linux“ wird, nach Übergabe an die Entwickler-Community Open Suse, schließlich „Open Suse“. Mit „Silverlight“, einem Browser-Plug-in zum Abspielen multimedialer Inhalte, tritt Microsoft gegen Adobes „Flash“ an.

Apple oder Microsoft? (Editorial C.Stephan in CN12): „,XP‘ ist auf den meisten PCs installiert. Intel baut die wohl besten Prozessoren seit Bestehen. Und Nokia beherrscht den Handymarkt wie kein Zweiter. Das Evolutionstempo von Hard- und Software ist revolutionär. Trotzdem hat die Welt andere Lieblingsspielzeuge. Auf Apples ,iPhone‘ und ,iPod Touch‘ sprechen mich Menschen an, deren Gesprächsrepertoire Computer und Telekommunikation üblicherweise nicht beinhaltet.



Nicht alles, was modern designt ist, stammt von Apple – wie hier ein PC von Sony.

Woran liegt es, dass Apples teures High-End-Gadget sogar die Tagespresse und das Fernsehen erreicht, während wirklich innovative Hard- und Software dort nie Erwähnung findet? Warum emotionalisieren Apple-Produkte die Menschen mehr als die vergleichsweise riesige Welt der Mitbewerber? Argumentiert wird immer mit dem Design der Produkte. Über Geschmack lässt sich trefflich streiten ... Zugestehen muss man Apple, dass die Produkte aussehen, als kämen sie direkt aus dem Raumschiff Enterprise, und das gilt nicht nur außen. Öffnet man einen ,Mac Pro‘, sieht es darin aus wie in der Jeffries-Röhre des besagten Sternenschiffs, und man erwartet gleich ein aufmunterndes Schulterklopfen von Chefingenieur O’Brian.
Andererseits kann Design Funktion unterstützen, aber niemals ersetzen. Doch vergleicht man Apples Hardware mit ähnlichen Lösungen, zeigt sich meist, dass andere Anbieter deutlich mehr Funktionen bieten. Moderne Smartphones können mehr als Apples ,iPhone‘. Der ,Mac mini‘ kann mit WIntel-PCs gleicher Klasse in punkto Funktionsvielfalt und Leistung nicht mithalten. Vielleicht macht gerade die Beschränkung auf das Wesentliche den Apple-Faktor aus. Der kleinste ,Mac mini‘ kann keine DVDs brennen. Offensichtlich kann der Käufer darauf verzichten. ,iWorks‘ hält nicht mit ,MS Office‘, ,NeoOffice‘ oder ,OpenOffice‘ mit – aber 90% der Anwender nutzen auch nur 10% der Funktionen großer Office-Pakete.
Eines sollten alle Apple-Hasser und -Neider bedenken: Apples Erfolgsbilanz der letzten Jahre geht nicht nur auf erstklassiges Marketing und ein cooles Design zurück. Vielleicht hat Apple einfach den Nerv der Zeit getroffen.“

Adobe übergibt die Spezifikation des „PDF, Portable Document Formats“ 1.7 an AIIM zur Standardisierung durch die ISO. Bemerkenswert an der „Creative Suite 3“ ist, dass die Anwendung „Dreamweaver CS 3“ für Webseitengestaltung nun definitiv das bisherige „GoLive“ ersetzt (in PZ Nr.4 leistet M.Schüssler Hilfestellung für den „nicht ganz freiwilligen Umstieg“).
Adobe braucht Konkurrenz (Editorial T.Kaltschmidt in DD29.3.): „Nach Übernahme von Macromedia erscheinen mit der ,Creative Suite 3‘ alle für die professionelle Print- und Webproduktion relevanten Schwergewichte wie ,Photoshop‘, ,InDesign‘, ,Illustrator‘, ,Flash‘, ,Fireworks‘ und ,Dreamweaver‘ erstmals komplett von einem Hersteller, von Adobe. Für einen besseren Datenaustausch zwischen den ehemaligen Konkurrenzprogrammen nutzt das sicher viel. Aber ist es auch für die Anwender und für die Industrie gut, wenn ein Hersteller zuviel Kontrolle erlangt? Ist es nicht eine unbestreitbare Gefahr, dass sich ein Hersteller in die Hängematte legen könnte und die Preise steigen, wenn der Konkurrenzdruck nachlässt?
Glücklicherweise gibt es noch Gegengewichte, vor denen Adobe sich in Acht nehmen sollte. Da ist zunächst der wiedererstarkte Konkurrent Quark, der mit neuem Kundenverständnis und frischem Selbstbewusstsein durchaus noch für eine Überraschung gut ist, wie ,XPress 7‘ und die Flash-Authoring-Umgebung ,Interactive Designer‘ gezeigt haben. Die neuen Transparenzfeatures in ,InDesign‘ und ein an die ,XPress Composition Zones‘ erinnerndes Gegenstück zeigen, dass Adobe den Konkurrent Quark durchaus ernst nimmt.
Aber auch von anderer Seite entsteht Wettbewerb. Microsoft geht mit dem PDF-Konkurrenten XPS, der zusammen mit dem ,PostScript‘-Profi Global Graphics entwickelt wurde, auf Konfrontationskurs. Erste Ausgabesysteme (Rips) für XPS sind bereits in Entwicklung, Konkurrenz für ,PDF-Engine‘ und ,PostScript‘ zumindest denkbar. Nicht zuletzt fischt der Gigant Google mit kostenloser Bildbearbeitungssoftware im klassischen Adobe-Segment.
Den Anwendern kann das nur recht sein, denn eins ist sicher: Adobe braucht Konkurrenz!“



Trends des Jahres 2007

Unabhängig vom Betriebssystem?
„Spielt es in Zukunft noch eine Rolle, ob ,Mac OS X‘, ,Windows Vista‘ oder ein ,Linux‘-System auf einem Rechner installiert ist? Je länger, desto weniger, denn der Trend geht in Richtung Online-Applikationen. So sind Web-Office-Programme derzeit ein heißes Thema im Software-Umfeld – und damit ist die einzige Erfordernis neben einem Rechner die Internetverbindung.
Darüber (mit-)bestimmen, was auf einem Rechner in Zukunft wie und auf welchem Standard abläuft, wollen zukünftig Adobe und Microsoft. Während Adobe mit ,Air, Adobe Integrated Runtime‘ ein plattformunabhängigeres Modell anstrebt, setzt Microsoft auf seine ,Windows‘-Dominanz: Deren neue Plattformtechnologie ,Silverlight‘ ist in ,Windows Vista‘ integriert und könnte die Programmierung von Software gänzlich auf den Kopf stellen. Innerhalb einer ,Silverlight‘-Umgebung – noch vor kurzem ,WPF, Windows Presentation Foundation‘ genannt – wie auch unter Adobe ,Air‘ lassen sich konventionelle Software und Webapplikationen gleichermaßen entwickeln. Was in der Konsequenz ebenfalls für mehr Unabhängigkeit vom Betriebssystem sorgt.
Ausgetragen werden könnte die Zukunft der Betriebssysteme auf einem heutigen Nebenschauplatz: Erneut ist wiederum das nicht ganz greifbare oder einzuordnende US-Unternehmen Google am Drücker, um basierend auf der ,Linux‘-Plattform mit ,Android‘ einen plattformunabhängigen Systemstandard für die mobile Telefonie zu etablieren – und hat bereits wichtige Player in diesem Segment um sich geschart. Spinnt man diesen Faden weiter, so könnte ,Android‘, das die Basis für das 2008 angekündigte ,G-Phone‘ werden soll, die Betriebssystem-Landschaft verändern, sobald das ,Android‘-Konzept in die Computerwelt portiert wird.
Es bleibt daher abzuwarten, wie hier die etablierten Player wie Microsoft und Apple reagieren. Auch wenn sich deren System-Updates ,Mac OS X 10.5‘ bzw. ,Leopard‘ wie auch ,Windows Vista‘ durchaus sehen lassen können, so sind diese beiden Unternehmen mehr denn je gefordert, sich über die Zukunft ihrer Betriebssysteme ernsthaftere Gedanken zu machen als bisher.“ (Editorial J.Franck in VS20.11.)

Messe-Trends: von der Fotomesse „PMA, Photo Marketing Association International“ in Las Vegas, NV, USA: „Der Megapixel-Wahn bei Kompaktkameras geht mit aktuellen 12 Megapixeln munter weiter, während sich Spiegelreflexkameras bei deren 10 einpendeln.“ (R.Jahn in CT19.3.)
… von der „CeBIT“: Vierkern-Prozessoren, 64-Bit-Pfade, Virtualisierung („Hypervisor“) vor allem für Server, Bedienkonzepte mit Multi-Touchscreens, Internet als Anwendungs- und Unterhaltungsplattform (Web 2.0 „mit Communities, von Benutzern beigesteuerten Inhalten und ajaxifizierten Websites“; CT5.3.).
Trends von der „IfraExpo“: Farbverbrauchsoptimierung für den Druck (Agfa, Alwan, Lewald & Partner, ProImage), Handhabung virtueller Drucksachen (Dalim, FFEI), Outsourcing (Anzeigenerstellung, Bildbearbeitung; AdFlow, Atex, Con Composition, FotoWare, Lufthansa Systems, Lizard Research, MarkStein Software, mecom, Otterbach IT, partner4media, ppi Media) und ASP, Web-to-Print (ContentServ, CoWare, MarkStein Software), Automatisierung der Druckplattenlogistik (KBA, MAN Roland).

Computer-to-Plate ist längst nicht alles und kann nicht alles (Auszug aus einem Leserbrief von Theo Bayer, Geschäftsführer Bayer Druck, in DD21.6.): „Alle Welt schwört auf Computer-to-Plate. Wer sich noch wagt, im DIN-A1-Format mit Filmen und herkömmlichen Platten zu arbeiten, hat bei vielen nicht mehr ,alle Tassen im Schrank‘. Wirklich?
Bei einer Vielzahl von immer wiederkehrenden Aufträgen mit eiliger Plattenbelichtung kann Computer-to-Plate im Großformat ein kostenaufwändiger Schnelldruck-Verhinderer sein. Das gilt auch für hohe Auflagen ab 100 000 aufwärts. Der Druck von Normalplatten in einer Auflagenhöhe bis 300 000 ist bei vielen Aufträgen als gegeben anzusehen. Bei Computer-to-Plate mit nicht eingebrannten Platten müssen hier in den meisten Fällen bis zu drei Gesamtplattenwechsel erfolgen.
Gemischtbetriebe tun sich auch jetzt noch schwer, eine endgültige Entscheidung für Computer-to-Plate zu fällen. Rein theoretisch kostet eine CtP-Platte so viel wie Film und Normalplatte zusammen. Was bei Computer-to-Plate bekanntlich entfallt, ist die Nachbearbeitung der Platten. Die wird aber kostenmäßig sofort wieder durch hohe Auflagen der Normalplatten und häufigen Eindruckwechsel mit Änderungen negativ beeinflusst. Computer-to-Plate hat die absolut hervorragende Qualität mit spitzem Punkt als Vorteil, Computer-to-Film den weicheren breiteren Punkt. Gegebenermaßen kein Nachteil.
Dass das Computer-to-Film-System in Deutschland völlig verschwindet, steht meiner Ansicht nach noch nicht fest. Für viele Betriebe liegen hier die Vorteile klar auf der Hand. Computer-to-Plate, vor über zehn Jahren in Deutschland eingeführt, hat seinen Erfolgsweg schon lange beschritten. Aber auch die Computer-to-Film-Anwendung für den kleineren Rest erfolgreicher Druckunternehmen spricht eine deutliche Sprache. Schon bald wird sich entscheiden, ob das Sterbeglöckchen für CtF endgültig zu läuten beginnt.“



Vom Publishing mit Web 2.0 (Editorial P.Ebeling in PX3-4): „Internet war gestern, heute redet jeder von Web 2.0. Dieser Begriff dürfte inzwischen allseits bekannt sein, oder etwa nicht? Angeblich sollen nur 37 Prozent der Internet-Anwender wissen, was es mit Web 2.0 auf sich hat.
Nachdem Ende 2001 die große Internet-Blase geplatzt war, zogen sich vor allem die Kapitalgeber zurück, denn sie hatten dabei viel Geld verloren. Tatsächlich sind aber gerade in den letzten Jahren viele neue, spannende Internet-Projekte entstanden.
Im Oktober 2004 sprechen John Battelle und Tim O’Reilly erstmals auf der gleichnamigen Web-2.0-Konferenz in San Franzisko darüber. Den Begriff Web 2.0 prägte Tim O’Reilly eigens für diese Konferenz und den zweiten, fast lautlosen Internet-Boom.
Obwohl Web 2.0 kein real existierendes Update oder Ähnliches ist, hat fast jeder Internet-Nutzer Veränderungen bemerkt. Denn zunehmend erstellen oder bearbeiten die Anwender im Internet bereitgestellte Inhalte selbst. Mit der Vielfalt von „YouTube“, den Möglichkeiten von „Google Earth“ und den vielen bestehenden Wikis und Weblogs sowie Bild- und Video-Sharing-Portalen hat sich gegenüber der früheren Internet-Nutzung einiges verändert und interaktiviert.
Und das nicht nur im privaten Bereich: Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Innofact haben deutsche Online-Händler während des Weihnachtsgeschäfts 2006 rund 5,4 Milliarden Euro im Internet umgesetzt. Warum soll die Druck- und Medienbranche an solch einem Erfolg nicht auch teilhaben? Das Zauberwort heißt hier: Web-to-Print – die Erzeugung von Druckvorlagen per Onlineservice.“

Web-to-Print: „Die großen Drucksachenauftraggeber entdecken das Web als Prozessoptimierungsplattform für ihre Publishing-Workflows und implementieren maßgeschneiderte Lösungen, bei denen die grafische Industrie zu einem guten Teil außen vor bleibt. Und Kleinbetriebe und Private setzen vermehrt auf Drucksachen-Webshops, wo es Visitenkarten, Flyer und Broschüren dank standardisierter Prozesse in guter Qualität zu Spottpreisen gibt.“ (Editorial M.Spaar in PZ Nr.4)



Der Technologie- und Unternehmensberater Bernd Zipper heizt nicht nur mit seinen Web-to-Print-Foren das Internet-Publishing an, sondern er startet unter www.beyond-print.de auch das weltweit erste Online-Portal für Web-to-Print. Er prangert die Patentrechtsklage von VistaPrint an und wird Vorsitzender einer Interessensgemeinschaft freier Wettbewerb Web-to-Print, die am 18. Dezember gegründet wird.

Chancen für Web-to-Print in Westeuropa“: Aus der Studie, die von Canon Europe und Infotrends auf Grundlage von 652 Interviews mit Akzidenzdruckereien, Digitaldruck-Spezialisten, Copy Shops und Pre-Press-Agenturen in 13 europäischen Ländern erstellt wurde, geht hervor, dass gegenwärtig fast ein Drittel über eine Web-to-Print-Lösung verfügt. Dennoch wird diese Zahl in den kommenden 5 Jahren noch um mehr als zwei Drittel wachsen, wenn etwa die Hälfte alle europäischen Druckereien über Web-to-Print verfügt. Fazit:
– „Web-to-Print-Installationen nehmen in den nächsten 5 Jahren um 68% zu.
– Der Umsatz steigt bis 2010 um 264% und erreicht einen Wert von über 10,5 Mrd. Euro.
Ein Viertel der Druckfachleute sind unsicher über die Möglichkeiten, die Web-to-Print bieten kann.
Die europäische Druckindustrie unterteilt sich in ehrgeizige Internetkenner und diejenigen, die webbasierte Technologien ablehnen.“

„Die Medienwelt wird mobiler und schneller – und das unter einem extremen Kostendruck. Hier hinkt die Druckindustrie massiv hinterher. Schlüsselprozesse, diesen Entwicklungen zu begegnen, sind Web-to-Print und Web-based Print-Processing. Wir werden in zehn Jahren in einem vollkommen neuen Umfeld produzieren. Künftig werden Anwendungen im Internet gemietet – auch komplexe Publishing-Umgebungen. Wir müssen uns mit solchen Innovationen beschäftigen. Das Wettbewerbsumfeld für Print ändert sich dramatisch. Web-to-Print wird 2015 im Publishing Alltag sein.“ (Bernd Zipper, zipcon consulting, auf der „Productivity Tour 07“ von Agfa Graphics)



Workflow, Vernetzung

Die 7 PDF-Gebote
für einen produktionssicheren und hochwertigen PDF-Workflow (Peter Kleinheider, callas software, in „Promo Nachrichten“ Nr.6):
– Wenn schon PDF, dann gleich „PDF/X“, denn so ist sichergestellt, dass alle für den Druck notwendigen Daten im PDF vorhanden sind.
– „PDF/X“ ist der kleinste gemeinsame Nenner, ist jedoch nicht gleichzusetzen mit hoher Qualität. Weiterreichende Prüfung der Industrievorgaben wie die der Ghent PDF Workgroup oder von PDFX-ready ist notwendig.
– Alle eingehenden PDF-Dokumente sind zu kontrollieren, insbesondere, wenn sie in einem Layoutprogramm platziert werden.
– Eine visuelle Kontrolle soll zusätzlich zur vollautomatischen Prüfung, die nur eine Grobfilterung von Fehlern im PDF vornehmen kann, angewendet werden.
– Prüfung und Korrektur sollen getrennt ablaufen, damit gute Daten nicht „kaputtrepariert" werden.
– Im konventionellen Workflow sollen im PDF nur CMYK (+ Schmuckfarben) enthalten sein (Standard: „PDF/X-1a“). Im medienneutralen (RGB-)Workflow sollen im PDF alle Rasterbilder im RGB-Farbraum bleiben (Standard: „PDF/X-3“).
– Bei der Verwendung von Transparenzen (Standard: „PDF/X-4“) haben Farbkonvertierung und Farbmapping immer vor der Transparenzreduzierung stattzufinden. Falls ein flachgerechnetes PDF nochmals farblich umgerechnet werden soll, dann ist die Konvertierung mittels DeviceLink-Profilen vorzuziehen.

Die 5 Stufen der Druckereivernetzung (MAN Roland „expressis business“ Nr.5):
– Vernetzung von Vorstufe und Druck
– Vernetzte Technik (Vorstufe, Druckformherstellung, Druck, Druckweiterverarbeitung und Distribution)
– Vernetzung zwischen Produktionsplanung und Technik
– Einbindung von Beschaffung, Verkauf und Management
– Einbindung von Lieferanten und Kunden

JDF-Workflow in der Weiterverarbeitung (VS29.5.): Müller Martini führt zu Beginn des Jahres eine Umfrage bei Sammelhefter-Kunden in Deutschland, Frankreich, den USA, Japan und Australien durch. Von den befragten Kunden haben 80% den digitalen Workflow in ihren Betrieben bereits eingeführt. Der überwiegende Teil von diesen Betrieben (mehr 90%) schätzt die Vorteile des digitalen Workflows und möchte ihn nicht mehr missen. Falls sie heute erneut vor der Frage stünden, würden sie den digitalen Workflow auf jeden Fall wieder einführen.
Als grösste Nutzen werden am häufigsten genannt:
– Prozessoptimierung,
– Kostenreduktion,
– höhere Produktivität,
– höhere Geschwindigkeit,
– höhere Prozesssicherheit,
– eine spürbare Senkung der administrativen Kosten (um bis zu 25%).
Als grösster Negativpunkt wird immer noch die unzureichende Einigkeit der Hersteller untereinander genannt. Diese gelte es zu verbessern, damit künftig möglichst alle Maschinen und Systeme in den digitalen Workflow integrierbar sind. (Quelle: Müller Martini)

Die Erkenntnis des Jahres: „Der Digitaldruck ist kein Produkt, sondern ein Geschäftsmodell.“ (Prof. Dr. Anne König auf dem Berliner „Digitaldruck-Forum“).



EDV allgemein

Das Marktforschungsinstitut Forrester Research erwartet, dass 2008 der milliardste PC verkauft wird, 2015 sollen es weltweit schon doppelt so viele sein. In seiner Prognose gibt Forschungsleiter Simon Yates ein jährliches Wachstum von 12,3% an. Während die Menschheit für die erste Milliarde mehr als ein Vierteljahrhundert gebraucht habe, soll die zweite schon nach weiteren 7 Jahren erreicht werden. (www.chip.de 13.6.07)
Mehr Lebensqualität dank mobiler Kommunikation: „Grundsätzlich hat sich meine Lebensqualität stark verbessert, seit ich mit den Menschen nicht mehr reden muss, sondern kommunizieren kann.“ (T.Hürzeler in VS9.1., S.18)

„Mac OS“ versus „Windows“ (Fazit eines Systemvergleichs in CT29.10.): „An vielen Stellen wird deutlich, dass Apple die Marschrichtung vorgibt und Anwender mit weniger Optionen konfrontiert. Das lässt vieles einfacher erscheinen, minimiert Fehlerquellen und bringt womöglich schneller Ergebnisse. Wenn etwas aber nicht geht, bleibt häufig Hilflosigkeit zurück. Dieses Gefühl ist ,Windows‘-Anwendern nur allzu vertraut: Sie sind es gewohnt, dass man mitunter herumkonfigurieren muss und dass manche Dinge partout nicht funktionieren.
Im Gespräch mit eingefleischten ,Mac‘-Anwendern kommen schnell sehr subjektive Argumente gegen ,Windows‘ und für Apple zur Sprache. Diese sind objektiv kaum zu fassen und erst recht nicht zu überprüfen: ,Mac OS‘ sei einfacher, komfortabler, eleganter und so weiter. ,Windows‘-Anwender gehen pragmatischer zu Werke. Oft hört man: ,Es kann alles, was ich brauche. Im Zweifel: Neustart.‘
Apple benutzt zahlreiche Effekte, um die Oberfläche nicht nur hübsch dastehen zu lassen, sondern auch um den Benutzer aktiv zu unterstützen. ,Windows‘-Anwender schalten ähnliche Ansätze mitunter sogar ab. Und das, obwohl Microsoft in ,Vista’ zeigt, dass man den Benutzer unterstützen kann, indem man ihm etwa Hinweise gibt, wo er minimierte Fenster wiederfindet.
Hier und da mag man sachliche Argumente für ,Mac OS‘ oder ,Windows‘ finden: etwa ein Feature, das man nicht missen möchte, eine Anwendung, die es nur für ein System gibt, oder auch bewusster Verzicht. Eine objektive Wahrheit gibt es nicht – beide Systeme erfüllen ihre Aufgabe. Aber wie heißt es doch: Das Auge isst mit.“

Was läuft auf dem „Linux“-Desktop? Desktoplinux.com veröffentlicht die Ergebnisse seiner alljährlichen Umfrage zum „Linux“-Einsatz auf dem Desktop. Wie im Vorjahr kürten die gut 38 000 Teilnehmer „Ubuntu“ zur beliebtesten Desktop-Distribution (30%), auf Platz 2 folgt „OpenSuse“ mit knapp 20%. „Debian“ und „Debian“-Derivate (ohne „Ubuntu“) erreichen 14% der Stimmen.
Lagen die beiden großen Desktop-Umgebungen im letzten Jahr noch gleichauf, zeigt sich dieses Jahr ein deutlicher Vorsprung von „Gnome“ gegenüber „KDE“ (45% und 35%). Bei den Browsern dominiert „Firefox“ deutlich (60%), bei den eMail-Clients rückt „Evolution“ mit 25% der Stimmen näher an „Thunderbird“ (30%) heran. 17% der Teilnehmer verwenden allerdings gar keinen Mail-Client, sondern nutzen einen Online-eMail-Dienst. (CT3.9.)

Sterben Desktop-Programme aus? „Schwer vorstellbar, aber viele Zeitgenossen sehen das Ende des traditionellen Softwarelizenz- und Vertriebsmodells gekommen. Die Zeiten, in denen man ein Programm direkt auf seinem Rechner als Desktop-Version installiert und unabhängig von Netzwerk oder gar Internet ausführen kann, scheinen gezahlt. Aus Sicht vieler Experten werden sich ASP(Application Service Provider)-Modelle, also quasi Softwaredienstleister, durchsetzen.
Die Vorteile dieses Modells sind unübersehbar. Der Anwender braucht sich nicht mehr um die Wartung und das ständige Installieren neuer Updates zu kümmern, gerade bei großen Firmen mit vielen hundert Nutzern wäre das Einsparpotenzial an Administrationsaufwand gigantisch. Der Betrieb gibt die Verantwortung an einen externen Dienstleister weiter, der die Wartung zentral vornimmt. Das aufwändige Abfahren der verstreuten Kundschaft ist nicht nötig, denn alle Komponenten befinden sich auf seiner Serverfarm, Updates werden einmalig aufgespielt. Die höhere Kundenbindung dürfte sowohl Herstellern also auch Dienstleistern gefallen.
Technologisch wird es nächstes Jahr in diesem Bereich einen Sprung geben, denn für Anfang 2008 kündigt Adobe die Verfügbarkeit von ,AIR‘ an. Damit werden Applikationen über Netzwerk und Internet realisiert, die sich wie Desktop-Programme verhalten und keinen Webbrowser mehr benötigen. Und über Plattformgrenzen hinweg lauffähig sind. Konkurrent Microsoft stößt mit ,Silverlight‘ und ,.Net‘ in dieselbe Richtung vor.
Eine Frage sollte dabei jedoch nicht vergessen werden: Wollen und sollten wir uns wirklich derart abhängig von Netzwerken und vom Internet machen? Denn eines ist klar: Wenn das Netzwerk hängt, drehen alle Mitarbeiter Däumchen, und wenn die Datenautobahn Internet mal verstopft ist oder gar sabotiert wird, was passiert dann?“ (Editorial T.Kaltschmidt in DD13.12.)



Medien

Print + Web:
„Print ist ehrlich und nachhaltig!“ (Michael Nowak, geschäftsführender Gesellschafter NINO Druck, in VA10).
Eine europaweite Marketingkampagne „PrintSells“, initiiert von der Vereinigung von Feinpapierherstellern Cepifine, soll die Wirksamkeit von Print als hochwertiges und effektives Marketinginstrument ins Bewusstsein rufen.
„Print und Web ergänzen sich darum perfekt, weil sie so weit voneinander entfernt sind und quasi zwei Extrempositionen im Kommunikationsspektrum markieren. Im Gegensatz zum Papier verschmelzen die anderen Kommunikationskanäle zusehends mit dem Internet. Die Grenzen zwischen Web, Radio und Fernsehen sind heute schon fließend. Dies wird beim Papier nie so möglich sein, und das ist seine große Chance. Als Gegenpol zum alles absorbierenden Internet bleibt seine Position gesichert.“ (Editorial M.Spaar in PZ Nr.5).

eBooks – online kaufen, offline lesen: „Im Verlagswesen beginnt die Auseinandersetzung mit der digitalen Welt erst. Das Buch behauptet sich noch in den meisten Geschäftsfeldern der Branche; Fachbücher sowie Zeitschriften müssen sich der digitalen Offensive bereits stellen.“ (CT29.10.)
„Seit wir von Benny Landa (Digitaldruckpionier und Gründer der israelischen Firma Indigo; Anm. d.Verf.) gelernt haben, dass alles digital wird, was digital werden kann, achten wir genau darauf, wie sich die digitalen Alternativen gedruckter Bücher, die sogenannten eBooks, entwickeln. In den USA machte Amazon vergangene Woche Schlagzeilen, als es unter dem – nur zufälligerweise schwäbisch aussehenden – Namen ,Kindle‘ ein neues elektronisches Lesegerät auf den Markt brachte. Erklärtermaßen will der eCommerce-Dienstleister damit das Zeitungs- und Verlagsgeschäft revolutionieren. Eine Besonderheit des ,Kindles‘ ist, dass man – anders als bei bisherigen eBooks – Inhalte per Mobilfunknetz herunterladen kann. Außer Büchern können somit auf dem eBook auch aktuelle Zeitungs- und Zeitschrifteninhalte gelesen werden. Das monatliche Zeitungsabo kostet bis zu 15 US-Dollar, der Download eines Buches knapp 10 US-Dollar. Kritiker werfen Amazon vor, dass das ,Kindle‘ nur proprietäre Amazon-Formate darstellen kann und für gängige PDF- oder Wordfiles nicht zu gebrauchen ist. Außerdem erreicht die Lesbarkeit der elektronischen Tinte noch längst nicht Druckniveau. Durch die mangelnde Flexibilität des starren Lesegeräts liegt das ,Kindle‘ auch nicht so gut in der Hand wie ein Buch.“ (aus dem Editorial B.Niemela in DD29.11.)



Online-Tageszeitung: „Die Online-Ausgaben deutscher Tageszeitungen werden wenig genutzt. Wie eine aktuelle Studie von TNS Emnid im Auftrag des Fachmagazins ,W&V – werben und verkaufen‘ zeigt, lesen über zwei Fünftel der Internetnutzer zwischen 14 und 49 Jahren täglich oder fast täglich die Printversion einer Tageszeitung. Hingegen besucht aber nur ein Fünftel mindestens mehrmals die Woche den Webauftritt einer Zeitung. Ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Online-Nutzung zeige sich bei denjenigen, die selbst im Haushalt die Printausgaben einer bestimmten Zeitung beziehen. Dagegen lesen User ohne Zeitungsabo noch seltener als der durchschnittliche Onliner die Webauftritte einer Tageszeitung.“ (DD11.1.)
„Das Internet ist der größte Serienkiller der Weltgeschichte. Die Zeitung ist sein erstes Opfer, Fernsehen und Radio sind die nächsten.“ (Dirk Ippen, Münchener Verleger, zum Abschluss des Forums „Lokaljournalismus“ der Bundeszentrale für politische Bildung)
„Das beste Werbemittel für die Zeitung ist die Zeitung.“ (Wolfgang Zekert, Geschäftsführer „Österreich“, in VS24.4.)

Die Zeitung von morgen (Quelle: Earl Wilkinson, INMA, International Newspaper Marketing Association): „Das Kernprodukt wird prägnant, zielgruppenspezifisch und steht auf Abruf bereit. Miniausgaben des Kernprodukts sprechen neue Zielgruppen an. Anspruchsvoller Journalismus wandert ins Netz und wird dort weiter angereichert. Durch die Vervielfachung der digitalen Ausgabekanäle steht die Zeitung jederzeit und überall zur Verfügung. Zeitungsinhalte sind nach dem Pay-per-click-Prinzip einzeln erhältlich. Die Multi-Media-Mitgliedschaft ersetzt das klassische Zeitungsabonnement. Bürgerjournalismus wird zu einer weiteren Informationsquelle für Zeitungen. Die Zeitung wandelt sich zum Dialogmedium.“

Kerngeschäft: „Das Kerngeschäft der Medienindustrie ist es, Informationen zu kanalisieren, aufzuarbeiten und sich dies mittels Werbeeinnahmen finanzieren zu lassen. Wer die heutigen Entwicklungsstränge aufmerksam beobachtet, sieht, dass am Ende dieser Umwälzungen das Geschäftsmodell der Medienindustrie möglicherweise ein Auslaufmodell sein könnte. Wie stark die Grundfesten dieser Medienindustrie bereits heute erschüttert sind, erkennt man an einem Detail: Die Journalistenzunft, eine Art Speerspitze der Medienindustrie, sieht sich mit dem Begriff ,Bürgerjournalismus‘ konfrontiert. Von ,Bürgerbankiers‘ oder ,Bürgerärzten‘ redet hingegen niemand ...“ (Editorial P.Fischer in VS14.8.)
Deutsche Zeitungsverlage machen mit einer Imagekampagne „Die Zeitungen. Wer liest, versteht.“ auf die Bedeutung des gedruckten Wortes aufmerksam. Mit einer „VAPoN, Value Added Printing of Newspapers“-Studie stellt die Hersteller-Allianz PrintCity innovative Zeitungsprodukte vor.



Druckindustrie 2007 mit moderatem Umsatzwachstum
(aus dem „Jahresbericht 2007/2008“ des BVDM): Die deutsche Druckindustrie erzielt im Jahr 2007 einen Umsatz von 14,2 Mrd. Euro, das sind real 2,4% mehr als im Vorjahr. Dieser Wert wird vom Statistischen Bundesamt bei Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten ermittelt. Der Gesamtumsatz aller Unternehmen der Druckindustrie beläuft sich auf 23,8 Mrd. Euro, stammt aber wegen des langen Erfassungszeitraumes der Umsatzsteuerstatistik aus dem Jahr 2006.



Die größten Impulse für das Wachstum kommen aus dem Ausland. Während die Umsätze mit inländischen Auftraggebern im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,6% ansteigen, erhöhen sich die Auslandsumsätze im selben Zeitraum um 6,9%. Die Exportquote erreicht mit 14,7% ihren bislang höchsten Wert. Rund 35% der deutschen Druckbetriebe sind im Auslandsgeschäft tätig.
Die Werbekonjunktur verliert 2007 wieder an Schwung. Wie der ZAW, Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft berichtet, erzielen die Werbeausgaben im letzten Jahr nur noch ein Wachstum von 1,8%. Für das Jahr 2008 sieht der ZAW sogar die Gefahr einer Stagnation. Für die Druckindustrie hätte dies entscheidende negative Folgen, denn zwei Drittel ihres Umsatzes entfallen auf die Produktion von Werbe-trägern und Werbemitteln. Zur erstgenannten Kategorie zählen beispielsweise Zeitungen, Zeitschriften und Adressbücher. Bekannte Werbemittel sind alle Arten von Werbedrucken sowie Kataloge, Plakate und Kalender.



Zuwachs bei Werbedrucken und Geschäftsdrucksachen: Die Produktion von Werbedrucken und Katalogen wächst mit einem Plus von 4,1% im Vergleich zum Vorjahr am stärksten von allen Druck-Erzeugnissen. Auch wertmäßig liegen sie mit rund 6 Mrd. Euro und einem Anteil von 37,2% an der Druckproduktion an erster Stelle. Den zweiten Rang belegen Geschäftsdrucksachen mit einem Wert von knapp 2,1 Mrd. Euro und einem Anteil von 13,0%. Auch sie erzielen 2007 im Vergleich zum Vorjahr ein kräftiges Wachstum von 4,0%. Zeitschriften sowie Zeitungen und Anzeigenblätter müssen im gleichen Zeitraum dagegen ein Minus von 3,6% bzw. 1,9% hinnehmen. Wertmäßig liegen beide bei rund 1,9 Mrd. Euro und belegen damit auf der Rangliste der Druck-Erzeugnisse die Plätze drei und vier mit einem Anteil von 12,1% bzw. 11,8%. Bei der Produktion von Büchern setzt sich der Aufwärtstrend der letzten Jahre nicht fort. Mit einem Minus von 1,6% erzielen Bücher 2007 einen Produktionswert von gut 924 Mio. Euro und haben damit einen Anteil an der Gesamtproduktion von 5,7%.

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Wenn Sie mehr und Genaueres wissen möchten, holen Sie sich das PDF-Dokument „2007“.

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