... und Satzautomation

Korrekturen sind ein normaler, wenn auch unbeliebter, weil umständlicher und kostspieliger Teil der Drucksachenproduktion. Texte, Grafiken und Bilder werden erfasst, digitalisiert (falls sie nicht schon auf irgendeinem Weg in digitaler Form angeliefert wurden) und zu Seiten formatiert („umbrochen“). Dazwischen finden meist ein oder mehrere Korrekturläufe statt, aus internen Gründen oder weil der Kunde Änderungswünsche hat. Das kann sich bis in die Druckmaschine hinziehen, bis der Kunde endlich sein „Fertig zum Druck“ erteilt.

Bleiben wir beim Text. Es ist eine Seite, einen Text zu verfassen – die Seite des Autors – und eine andere Seite, den Text sprachlich zu perfektionieren; nicht jeder Autor kennt sich in der Orthografie und Grammatik seiner Sprache aus. Zu Zeiten des Blei- und des Fotosatzes gab es in den Druckereien noch 2 Instanzen, die am Text herumfeilten: die Texterfasserin und den Korrektor. Beide sind selten geworden, weil die Autoren heute ihr Material fast durchweg digital zur Verfügung stellen, natürlich einen günstigen Preis erwarten und der Druckerei kein Spielraum mehr bleibt für eine inhaltliche Textbearbeitung. Der Autor hat die Verantwortung übernommen, auf jeden Fall seit der Desktop-Publishing-Bewegung mit dem Ziel: Do it yourself.

Aber springen wir gedanklich in eine „bessere Zeit“ zurück: in die 1970er-Jahre, als am Beginn der Produktionskette der Blei- sich zum Fotosatz wandelte. Ein paar Jahre lang gelten noch die früheren Spielregeln, die im Lauf der Satzautomation aber aufweichen, bis – wie erwähnt – durch das Desktop Publishing (fast) alles anders wird. Bei arbeitsteiliger Satzherstellung ist der Datenträger Lochband Standard. Sehen wir uns an, welche Korrekturmöglichkeiten es dafür gibt.

Die schweizerische Firma Güttinger GSA spielt in dieser Übergangszeit vom Blei- zum Fotosatz eine bedeutende Rolle (siehe auch das Firmenporträt). Die Fragen und Lösungen, die sie und einige andere Hersteller dem Satzmarkt in den 1970er-Jahren präsentieren, lauten:

– Endlos- oder ausschließende Korrektur?
– wiederausschließende Korrektur: ja, aber wo?
– am Ausschließperforator oder an einem Bildschirmterminal?

Korrekturmethode Bandverschmelzung: Die Daten aus der Doppel-Leser-Station (Originaltext und Korrekturband) werden vom Satzrechner im Ausschließperforator zusammengeführt. Ergebnis ist ein neuer, korrigierter Textlochstreifen zur Steuerung der Blei- oder Fotosetzmaschine.
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Der Güttinger-Spezialist Dipl.-Ing. J. Pfister, den ich im ausführlichen Bericht [273 KB] zitiere, überrascht im Hinblick auf die Korrekturmöglichkeiten mit Aussagen wie:

– „Ich behaupte, dass der Fotosatz kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt in die Zeit vor Gutenberg ist.“
– „Man hat die Fähigkeiten des Computers oder besser der Programme unterschätzt. Man ging von der Voraussetzung aus, dass der Output fehlerfrei sei, sofern der Input in Ordnung ist. Dabei baut der Computer neben sporadischen Fehlern, die durch die Peripheriegeräte bedingt sind, Silbentrennfehler ein. Auch haben die Programme, was Gestaltung anbetrifft, einen primitiven Geschmack.“

Pfister plädiert, wie es früher üblich war, im Vorfeld der Textverarbeitung weiterhin für eine Vorkorrektur und für eine Nachkorrektur. Später kommen noch die Autorkorrektur und die Umbruchkorrektur hinzu.

Wie man sieht, ist das (leidige) Korrekturthema ein klassisches und, wenn man nüchtern drüber nachdenkt, genauso ein modernes – welche Technologie(n) auch immer man einsetzt.

Pfisters Schlussbemerkung ist kritisch und tröstlich zugleich: „Nachdem im Bleisatz und besonders im Handsatz eine unerhörte Übersicht über das Gesetzte vorhanden war, ging dieser Überblick mit jeder weiteren Automationsstufe weiter verloren. Man konzentrierte sich zu stark auf einzelne Arbeitsgänge. Heute erkennt man diese Tatsache, und man ist auch daran, diesen Mangel zu beheben und besonders mithilfe des Bildschirms den Menschen wieder vermehrt ins Spiel zu bringen.“

Diese Aussage stammt aus dem Jahr 1975 – wie weit gilt sie noch heute?

Unter diesem Link können Sie den ausführlichen Bericht [273 KB] herunterladen.