K.-P. Nicolay schrieb in DR11/2008: „Die Scanner-Technologie hat sich überlebt, CtP seinen Zenit überschritten, Druckdaten werden per Webbrowser erzeugt, und selbst die einstmals anspruchsvolle Bildbearbeitung erledigt sich dank intelligenter Software von selbst. Was bleibt ist Workflow. ...

Als Fazit muss ganz sachlich festgestellt werden: Die Druckvorstufe ist tot.

Und damit ist das Drucken in eine neue Phase getreten. Denn was Heidelberg, KBA und manroland wollen, ist sonnenklar: die Automatisierung des Druckens in bislang noch nicht zu Ende diskutierte Dimensionen treiben. Und der gesamte JDF-Ansatz ist der Beweis, dass dies die ganze Zulieferindustrie samt ihrer Kunden so will.

Am 20. August 1993 meldete (begleitet von großem Entsetzen, Jammern und Heulen in der Branche) ein Unternehmen in Berlin Konkurs an, das seinerzeit als Urbild des Satzes in seiner Reinkultur galt: die Berthold AG. Heute, 15 Jahre später, stirbt die Vorstufe sang- und klanglos. Und die grafische Industrie selbst will es so.“

Klaus Herbort, Geschäftsführender Gesellschafter von Fotosatz Schmidt + Co., Weinstadt, ist anderer Meinung (Leserzuschrift 8.1.2009 auf „www.druck-medien.net“):
„Bezugnehmend auf das Titelthema in ,Druck & Medien‘ möchte ich mich an dieser Stelle der tot geglaubten Druckvorstufe zuwenden. Richtig ist, dass kein Programm von selbst arbeitet und die Arbeit von hochqualifizierten Fachkräften übernimmt. Natürlich kann die Software heute viel mehr als früher, und das ist gut so. Doch sieht man sich heute manche Bilder genau an, wird schnell klar, dass der Vorstufen-Mediengestalter bei der digitalen Bildbearbeitung heute mehr denn je gebraucht wird.
Die Zukunft der Vorstufe und somit den Beruf des Mediengestalters in Frage zu stellen, ist Unsinn. Prepress stirbt nie, solange es Press gibt. … Dass die Berthold AG, ehemals des Satzes Reinkultur, in Konkurs ging, hatte mit der heutigen Situation nichts zu tun. John Warnock von Adobe Systems hatte Berthold zur Kooperation schon 1982 aufgefordert und wollte mit Berthold (und natürlich auch mit deren Schriften) die grafische Welt erobern. Adobe hat es dann getan, auch ohne Berthold. Die Welt hat sich seitdem verändert, und heute genügt es vielleicht manchen, keine ,Bodoni‘, ,Futura‘, ,Frutiger‘ oder ,Helvetica‘ mehr anzuklicken, sondern nur eine Schrift blockig, hübsch, rund oder mager zu wählen. Dies dürfte aber kaum der Grund gewesen sein für ein Wegbrechen von rund 70 Prozent aller Vorstufenbetriebe.
Viele Druckereien mussten sich zwangsläufig eine oft zu überdimensionierte Vorstufe anschaffen, was gründlich in die Hose ging, weil alle Kollegen das gleiche dachten. Dass die Vorstufe tot sein soll, kann man davon allerdings nicht ableiten. Eher ist eine Vorstufe ohne Druckerei vorstellbar, die marktorientiert agiert, eng mit dem Endkunden zusammenarbeitet, selbst in gewisser Weise kreativ ist oder wenigstens eine Agentur mit einbezieht, um so einen reprodu-zierbaren, sicheren und wirtschaftlichen Workflow zu erzielen.
Eine Druckerei sollte nur drucken – und das perfekt!“

Dagegen argumentiert wiederum der Prepress-Unternehmensberater Michael Mittelhaus am 13.01.2009:
„Man sollte beachten:
– Scanner-Operateure gibt’s weitestgehend nicht mehr.
– Ausschießen wird Zug um Zug im MIS erledigt und per JDF durchgereicht.
– Automatisierte Bildoptimierungen ersetzen den ,Photoshop‘-Praktiker.
– Web-to-Print und Database-Publishing automatisieren Satz und Layout.

Lieber Klaus Herbort, was wird im Großen und Ganzen von der Vorstufe übrig bleiben angesichts dieser Trends?“

Auch der Zeitungsverband Ifra sieht schwarz für die Druckvorstufen: „Dank verbesserter digitaler Drucksysteme wird die Druckvorstufe in Zukunft verschwinden. Bis dahin werden die CtP-Anbieter ihre Positionen und Technologien weiter verteidigen.“ (ZT12/08).

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