Meinen ersten Job als Ing. (FH) hatte ich schon vor der Diplomübergabe. Die Praxissemester wie auch die Abschlussarbeit dienen ja auch zum Anbandeln; bei mir brachte mich meine Arbeit über OCR-Lesemaschinen in Kontakt mit der Ettlinger Firma Josef Funk KG, die ECRM-Lesemaschinen vertrieb und darüber hinaus ein anspruchsvolles Fotosatz-Systemangebot hatte, ebenfalls aus dem USA.

Meine erste Geschäftskarte

Aus unserem Schriftverkehr:

Funk am 4.3.1974: „Wir beziehen uns auf das anläßlich Ihres letzten Besuchs geführte Gespräch, als dessen Ergebnis wohl konstatiert werden kann, daß ein beiderseitiges Interesse an der Aufnahme einer Tätigkeit bei uns besteht. Wir möchten Sie deshalb bitten, uns Ihre ausführlichen Bewerbungsunterlagen zu übersenden, zu denen auch eine kurzgefaßte, handschriftliche Lebenslauf-Übersicht gehören sollte. Wir wären Ihnen dankbar, wenn wir diese Dinge recht bald von Ihnen bekommen könnten, da wir bereits jetzt eine Aufgabe als ,Vorschuß auf Ihre spätere Tätigkeit‘ zu vergeben hätten.“

Fritz am 14.3.1974 (ich war damals Anhänger der totalen Kleinschreibung): „sehr geehrter herr funk! ich habe mich über ihr schreiben gefreut, in dem sie ihr grundsätzliches interesse an einer zusammenarbeit andeuteten. auch ich möchte wiederholen, daß ich aus heutiger sicht gern bereit bin, eine tätigkeit in ihrer firma aufzunehmen, sobald mein Studium beendet ist und sofern der künftige arbeitsbereich meinen neigungen entspricht.
wie sie wissen, möchte ich mich besonders mit der modernen satzherstellung auseinandersetzen, außerdem meine kenntnisse über den offsetdruck vervollständigen und zur anwendung bringen. dies sind meine hauptsächlichen technischen Interessengebiete. darüber hinaus glaube ich recht gut für organisatorische maßnahmen, für werbung und das schreiben von fachartikeln geeignet zu sein.
doch bitte ich sie um verständnis, wenn ich mich jetzt noch nicht festlege. ich möchte damit bis zur beendigung meiner ingenieurarbeit warten, die mir (außer einem bereits weiteren eingegangenen angebot) vielleicht zusätzliche wahlmöglichkeiten verschafft.
sie schreiben von einer aufgabe ,als vorschuß auf meine spätere tätigkeit‘. sofern diese in gewissen grenzen liegt, werde ich sie gern übernehmen, unabhängig davon, ob wir unser arbeitsverhältnis realisieren oder nicht.
ich fahre nächste woche nach berlin. sobald ich zurück bin, rufe ich sie wegen eines termins an, und ich komme nochmal nach oberweier. wir können dann darüber sprechen, auch über die folgenden neuen aspekte:
1. meine gehaltsvorstellung hat sich in der zwischenzeit leicht erhöht: sie liegt jetzt bei 2300 mark (eine neue ,hausse‘ ist aber nicht zu erwarten).
2. nach meinem studium plane ich einen urlaub in den vereinigten staaten, der nicht nur zur erholung, sondern auch zur weiterbildung dienen soll. das rit (rochester institute of technology) führt im sommer verschiedene vierzehntägige kurse durch, und ich habe mir sagen lassen, daß sie auf ein hohes niveau führen und ausgezeichnete arbeitsunterlagen erbringen. für mich kommen zwei kurse in frage: ,composition systems‘ (moderne satzherstellungssysteme) und ,applications of computers to the graphic arts‘ (verwendung von computern in der grafischen Industrie). je nachdem, welcher davon terminlich günstiger liegt, möchte ich einen davon besuchen – und möglichst eine finanzielle unterstützung durch meinen neuen arbeitgeber erreichen. in unserem fall wäre vielleicht auch ein besuch bei ihrem systemlieferanten star parts vorteilhaft.
sie sehen, daß ich einen gewissen beruflichen ehrgeiz habe. schwaben machen (auch wenn sie sich eine hochdeutsche sprachverfremdung aneignen) halt lieber ganze sachen als halbe, und wenn ein schwabe gar mit ,badenzern‘ zusammenarbeiten soll, möchte er schon gern mit gediegenen kenntnissen ins ,ausland‘ ziehen.“

Funk am 2.4.1974: „Wir wollen Ihnen heute mitteilen, dass das von Ihnen geschilderte Konzept in unserem Hause akzeptabel ist und dass vor allen Dingen auch Ihre Absicht, sich in den USA noch etwas umzutun, eingebettet werden kann in Aufgabenstellungen, die Sie früher oder später ohnehin in die Staaten führen würden. Wir erwarten also gern Ihren Besuch, anlässlich welchem dann auch über Vorabaufgaben gesprochen werden kann.“

Fritz am 22.4.1974: „wie heute telefonisch mitgeteilt, habe ich mich jetzt entschieden, nach abschluß meines ingenieurstudiums für die firma funk zu arbeiten. sofern das, was bei unserem letzten gespräch als mein aufgabengebiet umrissen wurde, noch gültigkeit hat, können wir einen arbeitsvertrag aufsetzen.
um ihnen nochmals einen überblick zu geben, welche Vorstellungen ich von meiner künftigen tätigkeit habe – sie decken sich erfreulicherweise ja weitgehend mit den ihrigen –, führe ich diese nachstehend auf:
1. arbeitsgebiet satzherstellung: meine berufliche laufbahn und das anschließende studium haben mir gezeigt, daß die satzherstellung ein äußerst vielseitiger und zukunftsträchtiger bereich innerhalb der druckindustrie ist. ihr möchte ich mich verstärkt zuwenden, und ich bin sicher, mit meinem wissen der firma funk und ihren kunden anregungen, hilfe und geschäftserfolge vermitteln zu können.
2. weiterbildung: ein grundsätzliches anliegen ist für mich, daß die firma funk mich bei der weiterbildung auf diesem gebiet unterstützt. ich lege viel wert darauf, wichtige seminare, kurse und maschinenvorstellungen besuchen zu können. besonders hervorheben will ich, daß ich meine kenntnisse über edv noch anreichern möchte. gerade die edv wird die satzherstellung in zukunft stark beeinflussen, und ich muß und will am ball bleiben. einen oder zwei kurse in programmierung habe ich mir vorgenommen, dazu im kommenden jahr einen sommerkurs am rit in den vereinigten Staaten.
3. kontakte in den usa: außer zu star möchte ich mit anderen amerikanischen firmen, fachschriftenverlagen und bildungsinstitutionen in kontakt kommen. forschungsergebnisse und maschinen aus den Staaten werden unseren markt weiter beeinflussen, und es gilt so früh wie möglich informiert zu sein.
4. vielseitigkeit meines aufgabengebiets: bei unserem gespräch fiel mir auf, daß mein tätigkeitsfeld bei funk in die breite gehen soll. das entspricht ganz meinen vorstellungen. ich lasse mich ungern in ein korsett zwingen, das mich allzu stark einengt. kundenberatung, werbung, vorführungen, auswerten von fachliteratur, verfassen von fachartikeln – das alles muß nicht immer der chef machen. schieben sie ruhig etwas davon auf mich ab. ich werde mir mühe geben und mich darauf vorbereiten.
5. selbständiges arbeiten: ich habe mein studium unter anderem deshalb aufgenommen, um nicht mein leben lang nur ausführendes organ (auf geheiß) zu sein. das von ihnen dargelegte arbeitsgebiet erfordert eine gewisse selbständigkeit und verantwortung und ist auch aus diesem grund für mich reizvoll.
6. angemessene bezahlung: ich bin bereit, mich für ein interessantes arbeitsgebiet voll einzusetzen. mein gehalt soll dem rechnung tragen, wir haben über diesen punkt ausführlich gesprochen. als anfangsgehalt bitte ich erneut 2300 mark vorzusehen.
ich bin mir durchaus bewußt, daß diese grundsätze viel fordern, von ihnen und von mir. mein wille dazu ist vorhanden, und ich glaube, daß die ,familie‘ mir dabei behilflich sein wird durch eine entsprechende einarbeitungszeit und förderung auch danach. bitte geben sie mir bescheid, wie sie zu diesen gedanken stehen und wann wir zum abschluß kommen können.“

Funk am 26.4.74: „Sehr geehrter Herr Fritz, wir haben gestern telefonisch vereinbart, dass Sie nach Beendigung Ihres Studiums Ihre Tätigkeit bei uns im Sinne Ihres Schreibens vom 22.4. aufnehmen werden. Zur schriftlichen Fixierung und Besprechung einiger Einzelheiten erwarten wir Sie am 10. oder 11. Mai. Wir sind überzeugt, daß wir mit Ihnen erstklassig, erfolgreich und dauerhaft zusammenarbeiten werden.“

Am 10. Mai unterzeichneten wir den Arbeitsvertrag, mit folgendem Anhang: „Funk gewährt Fritz jährlich einen zusätzlichen Urlaub von einer Woche zum Zwecke der Weiterbildung auf Gebieten, auf welchen Fritz für Funk tätig ist. Die Gestaltung und die Übernahme der Kosten wird im gegenseitigen Einvernehmen geregelt.
Ab der ersten Inanspruchnahme verpflichtet sich Fritz, eine Kündigungsfrist von 12 Monaten einzuhalten oder eine einvernehmlich festzusetzende Abstandssumme zu entrichten.
Fritz hat das Einverständnis von Funk, fachschriftstellerisch tätig zu sein in dem Umfang und insofern, als dies den Interessen von Funk nicht zuwiderläuft.“
Eingestellt wurde ich als Assistent der Geschäftsleitung.

Ich möchte mit diesem Schriftverkehr unterstreichen, wie wichtig mir die Weiterbildung und journalistische Aktivitäten waren. Erfreulicherweise hat mich die Firma Funk, später Funkinform, in dieser Hinsicht nie gebremst. Auf einem anderen Blatt stand, wie andere Systemhersteller und -lieferanten, die von meinem Engagement bei Funk wussten, darauf reagierten. Würden sie mir technische und organisatorische Details über ihre Systeme, die ich für einen Fachartikel im „Deutschen Drucker“, „Druckspiegel“, „Polygraph“ oder für die „Offsetpraxis“ anforderte, herausrücken?
Tatsächlich hatte ich während der 3 Jahre, die ich bei Funk/Funkinform zubrachte, damit keine wirklichen Probleme.


Neue Erkenntnisse: Systemsatz

Bei Funk wuchs ich in eine Satzherstellung hinein, die von meinen bisherigen Erfahrungen völlig abwich. Vom Blei-, Maschinen- und „diatype“-Fotosatz her kommend, galten zwar nach wie vor die gelernten Grundlagen, aber der Fotosatz bei den Funks und ihren Kunden war computerisiert und systemorientiert. Hier ging’s nicht um Geräte, sondern um Maschinen, die über Datenträger (Lochstreifen, Magnetbandkassetten oder Floppy Disks) oder online über einen Zentralcomputer miteinander kommunizierten.

Ich stieß zur Firma Funk, die seit 1948 im Bleisetzmaschinengeschäft tätig war, in einer Zeit, in der sie selbst am Anfang eines krassen Wandels stand: vom Blei- zum automatisierten Fotosatz. Dabei sollte ich sie mit Werbemaßnahmen und im Vertrieb unterstützen.
Vom Bleisatz her hatte Funk ein Vertriebsarrangement mit Star Parts, USA, das zu meiner Zeit mit „CompStar“-Fotosetzmaschinen, „AutoPerf“-Perforatoren und „AutoEdit“-Bildschirmgeräten den Systemsatz bediente. Weitere Datenzuträger waren „AutoReader“-Lesemaschinen von ECRM; immerhin belichtete eine bandgesteuerte „CompStar“ mit Xenonblitz durch Negativ-Filmstreifen bis zu 150 Zeilen pro Minute.
Diese Leistungsangabe zeigt, wofür der Systemsatz von Star Parts, später Star Grahic Systems, gedacht war: für den Zeitungs-Mengensatz. Das gleiche gilt für die Online-Satzsysteme der Serie „CPS“ (Copy Processing System), die Funk von Star/Xylogics, später Dymo/Xylogics, bezog, und für die ehrwürdigen „Photon“-Belichter von Dymo Graphic Systems. Im kleineren Systembereich arbeitete Funk für Varisystems, deren „Varicomposer“ Softwarefunktionen wie z.B. den vertikalen Keil und die Floppy Disk in den Akzidenzsatz brachten.

Progressiv, aber zu wenig an deutsche Verhältnisse angepasst: Star/Dymo-Xylogics "CPS", sogar mit Online-Schreibmaschinen!

Wir hatten bei Funk damals, in den 1970er-Jahren, ein progressives Systemangebot:
– eine Serie schneller Mengensatzbelichter („CompStar“, später „Photon“),
– einen der ersten lochbandgesteuerten Endlos-Korrekturbildschirme („AutoEdit“),
– eins der ersten Online-Redaktions- und -Produktionssysteme für Zeitungen (Star/Xylogics „CPS“, erstmals in Westeuropa installiert bei „La Dernière Heure“, Brüssel),
– einen der ersten grafischen Darstellungsbildschirme, geeignet für die Anzeigengestaltung wie auch für den Seitenumbruch,
– eine populäre Lesemaschine (ECRM „AutoReader“),
– ein attraktives kleines Satzsystem für Akzidenzen („Varicomposer“).
Und mit dem „DLC-1000“ von Dymo den ersten Laserbelichter, der allerdings nie an den Markt kam. (Der erste reelle und sehr erfolgreiche Laserbelichter war die „Lasercomp“ von Monotype.)


Meine Aufgaben
bei Funk waren:
– die Erstellung von Dokumentation in deutscher Sprache, oft nach Übersetzung aus dem amerikanischen, für interne Zwecke wie auch zur Verkaufsunterstützung;
– die Erstellung von Prospekten und Presseinformationen;
– Kontakt zu den Fachzeitschriftenredaktionen und -Anzeigeneinholern (wobei meine journalistische Tätigkeit nebenher vorteilhaft war);
– Gespräche mit den Verkäufern im Außendienst (wobei ich deren Probleme beim Vergleich unserer Produkte mit denen von anderen Anbietern erfuhr, und andererseits die Argumentation für unsere Systeme kennenlernte);
– das Konfigurieren von Systemen mit Preisberechnung;
– das Diktieren kurzer oder langer Begleitbriefe für die Offertabgabe (wofür ich das Diktieren auf Bandkassette lernte);
– die Mithilfe bei der individuellen Belegung von Tastaturen und Schriftträgern;
– Geräte- und Systemdemos im Vorführraum wie auch auf grafischen Ausstellungen;
– und verschiedentlich Begleitung des Verkäufers oder/und des Chefs bei Interessenten-/Kundenbesuchen, sei es in der Auswahlphase oder beim Kaufabschluss.
Nebenher war ich für mehrere Fachzeitschriften aktiv, um über Veranstaltungen und Produkte beliebiger Hersteller zu schreiben oder Ausstellungsberichte zu verfassen.

Die Gespräche mit den Außendienstlern (was bemängeln die Interessenten an unseren Produkten, was können andere Systeme besser, und wie argumentieren wir zweckmäßigerweise für unsere Produkte?) und meine neutrale journalistische Tätigkeit führten dazu, dass ich alle Systeme am Markt gewissermaßen durch eine neutrale Brille sehen konnte, auch die eigenen.

Probleme mit den Amerikanern

Ein Hauptproblem bei Funk war, dass alle Systeme und Maschinen über den großen Teich kamen und von daher teurer waren als vergleichbare Systeme, die in Deutschland hergestellt und vermarktet wurden. Unser Glück: Auch die meisten anderen Systeme kamen aus den USA, und mit dem Akzidenz-Marktführer in Deutschland, der H. Berthold AG, konkurrierten wir nicht wirklich. Allerdings machten uns die sprichwörtlichen Berthold-Qualitäten zu schaffen: Die Schriftenpalette und die Belichtungsqualität unserer „CompStars“ und „Photons“ waren denen einer „diatronic“ – der damals populärsten Akzidenz-Fotosetzmaschine hierzulande – unterlegen.
Denn das war ein weiteres Hauptproblem: Die Star-/Dymo-Systeme waren für die Zeitungsproduktion ausgelegt, und das mag für die USA, wo Zeitungen in der Regel nur Zeitung machen, genug sein. In Europa, in Deutschland machen viele Zeitungen aber auch noch „Akzidenz“: Zeitschriften, Bücher, Prospekte und andere Geschäftsdrucksachen. Dafür waren die Satzsysteme von Star/Dymo weniger geeignet, weder von der Belichtungsqualität und schon gar nicht von der Anwendungssoftware her.
Funks größtes Hauptproblem aber war, dass die Amerikaner für unsere Marktverhältnisse nur wenig Verständnis und Anpassungsbereitschaft hatten. Aus einem Zeitungssystem, auch wenn es noch so viel Anpassungsmöglichkeiten für Kundenwünsche bietet, macht man nicht einfach ein Zeitschriften- oder Werksatzsystem, und für interaktiv zu gestaltende Prospekte war weder die Hardware (Grafikbildschirm) noch die Software da.

Das „GDT“, ein Darstellungsterminal für Anzeigengestaltung und Seitenumbruch

Die Anzeigenverwaltung und -gestaltung andererseits war eine Domäne des „CPS“, immerhin bot es eins der ersten Darstellungsterminals, das „GDT, Graphic Display Terminal“. Das „GDT“ unterstützte auch den Umbruch von Zeitungsseiten, wenn auch von der Eingabe her mit x/y-Koordinaten. Sehr komfortabel war das „CPS“ beim Artikelumbruch; aber das traf auch auf andere Zeitungssysteme zu, mit denen wir im Wettbewerb waren, z.B. auf die Harris-Systeme im Vertrieb der Firma Berthold.

Im Akzidenzbereich mischte Funk nur minimal mit. Tastaturgesteuerte Fotosetzmaschinen – ein Hit bei kleineren Satzbetrieben – gab’s bei Funk nicht. Softwaremäßig setzte zwar der „Varicomposer“ Maßstäbe, insbesondere durch seinen interaktiven Ausschluss, den vertikalen Keil und seine Mehrplatzfähigkeit. Der Hersteller Varisystems wurde aber von BobstGraphic und die „Varicomposer“-Vorzüge in deren „EuroCat“-Fotosatzsystemen übernommen. Bitter für Funk: 3 seiner Programmierer entwickelten ein vergleichbares System, made in Ettlingen, kündigten aber und vermarkteten es unter dem Kürzel „CDS“ selbst (sie nannten ihre Firma Grafitex).

Ein letztes Problem der Firma Funk war das Konzept, bei der Ausgabe neutral zu fungieren. Wer wollte, konnte an ein „CPS“ oder an einen „Varicomposer“ gern einen Star-/Dymo-Belichter dranhängen; dann gab’s keine Anpassungsprobleme. Die Systeme wurden aber auch Betrieben abgeboten, die z.B. einen Harris-, Compugraphic-, Autologic- oder Hell-Belichter ansteuern wollten. Dafür gab es entsprechende Ausgabemodule. Aber weil jedes Belichtermodell sein eigenes Zeichenrepertoire hat, mussten systemseits Anpassungen an den Tastaturen, Bildschirmzeichensätzen und in der Codezuordnung zwischen System und Belichter gemacht werden – zeitaufwendig und teuer. Dieser Aufwand lohnte sich bei den kleineren Systemen von Varisystems, Grafitex und auch Güttinger GSA auf Dauer nicht, weshalb diese kleinen, feinen, ausgabeneutralen Systeme leider verschwanden und den tastaturgesteuerten Kompaktsystemen mit ihren proprietärem Eigenheiten Platz machten.

Ich lernte bei Funk zwei Grundsätze:
1. Es genügt nicht, gute Systeme anbieten zu können. Sie müssen auch zum Markt passen, technisch und in der Vertriebsunterstützung (was viele ausländische Hersteller nie begriffen haben und auch heute noch nicht begreifen).
2. Jedes System haben irgendwo seine Stärken. Ist man im Verkauf für einen Anbieter tätig, lobt man die eigenen Systeme hoch und macht die anderen Systeme madig. Damit kann man Erfolg haben, manchmal aber auch nicht.
Die Firma Funk, später Funkinform, hat jahrelang unter Punkt 1 leiden müssen – bis es ihr zuviel wurde. Als Konsequenz entwickelte sie in den 1980er-Jahren ihr eigenes System. Sie ließ sich als erster Systemhersteller auf das Server-Betriebssystem „Unix“ ein (für ihr „Pro-Fit“-System), flößte als Erster Satz-PCs („Pro-Text“) ein Ausschließprogramm mit deutscher Silbentrennung ein, akzeptierte, wiederum als Erster, Microsoft „Windows Server“ als Grundlage für ihr nächstes System „Dialog“ und baute dieses zum umfassenden Verlagssystem aus. Schluss mit den amerikanischen Experimenten!
Heute, im Jahr 2011, ist Funkinform als letzte deutsche Systemfirma, die noch aus dem Bleisatzära stammt, übriggeblieben.

1977 trennte ich mich von der Firma Funk, um mich als neutraler System-Unternehmensberater selbständig zu machen. Wie gesagt: Alle Systeme haben irgendwo ihre Stärken; man muss diese nur (?) einschätzen und bei der Auswahl ins Verhältnis zu einer bestimmten Situation bringen können: Auftragsstruktur, gewünschte Funktionen und Abläufe, Qualitätsanspruch, finanzielle Möglichkeiten. Ich fand das eine spannende Aufgabe, die ich mir zutraute, und bot mich ab April 1977 Setzereien und Druckereien, die sich mit der Auswahl eines Fotosatzsystems schwer taten, als Berater an.

In meinem Abgangszeugnis steht:
„Herr Fritz brachte als Absolvent der Fachhochschule für Druck in Stuttgart und vorhergehender Berufspraxis ein abgerundetes Fachwissen mit, das er während seiner Tätigkeit bei uns zielstrebig ausbaute. So konnte er nach angemessener Einarbeitungszeit eine Palette von Aufgaben selbständig übernehmen, unter anderem Fachzeitschriftenwerbung, Presseberichte, Prospektwerbung, internes Informationswesen, Offertwesen, technische Beschreibungen und Kundenberatung in Teilbereichen.
Besondere Kenntnisse erwarb sich Herr Fritz nicht nur im allgemeinen Bereich der modernen automatischen Satzherstellung, sondern auch in den zukunftsweisenden Bereichen der computerorientierten Satzsysteme der verschiedensten Größenordnungen.
Herr Fritz ist während seiner Tätigkeit mit unserem Wissen und unserer Billigung auch als Fachschriftsteller tätig gewesen.
Wir können Herrn Fritz einen hohen Sachverstand und ein gesundes Urteil sowie Objektivität bescheinigen, und wir waren mit seinen Leistungen, seinem Einsatz und seinem Bemühen stets zufrieden.
Herr Fritz verläßt auf eigenen Wunsch eine aussichtsreiche Position, um eine selbständige Existenz aufzubauen.“


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