Wie geht’s der Druckbranche?
Laut Bundesverband Druck und Medien (BVDM) hat die deutsche Druckindustrie 2009 in der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten weniger starke Einbrüche zu verzeichnen als die meisten anderen bedeutenden Industriebranchen. Am Jahresende meldet der Verband, die Krise sei beendet, ein Aufschwung für das Jahr 2010 dennoch nicht in Sicht. Für 2010 erwartet der BVDM einen weiteren Umsatzrückgang von –2,5%.
Ist „Guerilla-Marketing“, das Konzept, mit einem sehr kleinen Etat trotzdem hohe Aufmerksamkeit zu erzielen (DD26.11.), ein Rezept zum Gegensteuern?

Konjunkturindikatoren der deutschen Druckindustrie, Vergleich 2009 gegenüber 2008.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Berechnungen: BVDM.
* Schätzung auf Basis der Umsatzsteuerstatistik 2008 für die Gesamtbranche.

Den drei deutschen Weltmarktführern im DruckmaschinenbauHeidelberger Druck, manroland und Koenig & Bauer – stehe das Wasser bis zum Hals, meint die „Backnanger Kreiszeitung“, ein Mantelblatt der „Stuttgarter Nachrichten“, am 24. Dezember. Ausgerechnet an Heiligabend liest man den Spruch eines Heidelberger-Zulieferers: „Wir leben in einer sterbenden Branche.“ Doch bleiben wir bei den Druckmaschinenherstellern: „Die Erfolgsstory der deutschen Druckmaschinen ist zu Ende“, meint die WestLB, und Bernhard Schreier, Chef der Heidelberger Druck, redet Klartext: „Drei Milliarden Euro Umsatz – soviel gibt der Markt künftig her.“
Der Niedergang ist programmiert, denn jede neue Maschinengeneration, die die Hersteller zur „Drupa“ auf den Markt bringen, ist rund ein Drittel produktiver als die Vorgänger. Die Maschinen produzieren immer weniger Ausschuss, benötigen weniger Personal und laufen schneller. In den Industriestaaten kaufen die meist mittelständischen Druckereien daher immer seltener Maschinen. Für die Schwellenländer sind die technisch hochgerüsteten Maschinen aus Deutschland hingegen oft zu teuer und zu kompliziert (BK24.12.).
Wundert es da, dass der Rotationsmaschinenbauer Wifag nach einem Partner sucht? (Oktober)

Digitale Medien: Bücher werden von eBooks attackiert. WAN-Ifra spricht vom „Beginn einer Freundschaft“. Nach einer Umfrage der Ingram Marketing Group sind fast die Hälfte der Bibliotheken und Buchhändler offen für elektronische Kataloge, anstelle von gedruckten – aber sie müssen einfach zu bedienen sein (SR28.5.)
Apropos Kataloge: Das „Aus“ für Quelle trifft auch die Druckdienstleister.

Die Zeitungsauflagen sind 2009 trotz des Konjunkturabschwungs weltweit nur leicht rückläufig, und die Auswirkungen der weltweiten Rezession auf die Anzeigen- und Werbeeinnahmen der Zeitungen werden offenbar schwächer. So das Fazit der Studie „World Press Trends“ der WAN-Ifra, des Weltverbands der Zeitungen und Nachrichtenmedien. Der Bericht zeige, dass die Zeitungsindustrie entgegen landläufiger Meinung weiterhin weltweit eine bedeutende und florierende Branche ist, trotz der Auswirkungen der globalen Rezession und der zunehmenden Verbreitung digitaler Medien. „Offen gesagt, ist mir aufgefallen, dass Medienjournalisten und Kommentatoren dazu neigen, auf den negativen Aspekten des Geschäfts herumzureiten, obwohl es eindeutig auch viel Positives gibt“, erklärt Christoph Riess, CEO der WAN-Ifra, bei der Vorstellung des Berichts im August 2010.

Das Internet wird im Oktober 40 Jahre alt und beeinflusst zunehmend die Medienlandschaft. „Das Internet ist das wichtigste Medium der Welt“, steht in CI11. Der Autor führt 10 erstaunliche Zahlen an:
– Platz 1 in der Liste der Länder mit dem größten Anteil von Breitbandanschlüssen belegt der Inselstaat Bermuda.
– 2% aller Server weltweit sind im Besitz von Google.
– 3 Minuten beträgt die Durchschnittslänge eines Internet-Videos.
– 4 Jahre dauerte es, bis das World Wide Web nach seinem Start die 50-Millionen-Nutzer-Marke erreichte – schneller war kein anderes Medium. Beim Radio dauerte es 38 Jahre, beim Fernsehen 13. Apples „iPod“ allerdings schaffte die 50 Millionen in 3 Jahren, das Netzwerk „Facebook“ sogar in 2 Jahren.
– 5% des weltweiten Stromverbrauchs gehen auf das Internet zurück.
– Sex ist nicht mehr die Nummer Eins im Web; soziale Netzwerke haben im Jahr 2008 den Pornoseiten den Rang abgelaufen, so der US-Autor Bill Tancer.
– 7 von 10 Internetsurfern in Deutschland gehen über einen DSL-Anschluss ins Netz.
– Von 8 Paaren, die in den USA heirateten, hat sich im Durchschnitt eins über das Internet kennengelernt.
– Gemessen am Jahresumsatz von 21,6 Mrd. US-Dollar (2008) liegt Google in der Liste der erfolgreichsten Technologieunternehmen auf Platz 9. Gemessen am Gewinn von 4,23 Mrd. US-Dollar kommt Google auf Platz 8. Auf den Gewinn pro Mitarbeiter umgerechnet, ist Google die Nummer Eins – mit 209 624 US-Dollar.
– Nach einer Studie von Cisco wird die durch das Internet geleitete Datenmenge Ende 2013 bei etwa 56 Exabyte pro Monat liegen. Das entspricht dem Inhalt von mehr als 10 Milliarden DVDs.

Persönlichkeiten und Unternehmen, die sich für Publishing 3.0 ausweisen möchten, können diese Logos von der „Publisher“-Website (www.publisher.ch) herunterladen.

Publishing 3.0:
Die schweizerische Fachzeitschrift „Publisher“ hat 2008 den Begriff „Publishing 3.0“ geprägt für die „dritte IT-getriebene Revolution, die auf die grafische Industrie zukommt“ (Chefredakteur Martin Spaar): „DTP und Heavy Metal waren gestern, jetzt kommt Publishing 3.0!“ Das Internet, XML, „PDF/X“ und eine Handvoll weiterer Technologien treibe eine neue Publishing-Revolution voran, die eine ganz neue Größe ins Zentrum des Geschehens rückt: den Kunden.
Auf derselben Linie liegt Web-to-Print, von dem der Technologie- und Strategieberater Bernd Zipper sagt: „Web-to-Print wird mehr und mehr zum wichtigen Wirtschaftsfaktor für Medienmacher aus allen Bereichen. Besonders in Krisenzeiten hilft Web-to-Print die Prozesse zu automatisieren, Druck-Beschaffungsprozesse zu optimieren und schnell vorhandene und neue Kunden kostengünstig zu bedienen.“ (bei der Vorstellung seiner Studie „Web-to-Print 09/10“ im Juni). Der Heidelberger-Vertriebsvorstand Dr. Jürgen Rautert sieht in W2P einen „Megatrend“.

Zwei große Firmenübernahmen erregen Aufsehen: Oracle übernimmt Sun Microsystems, Canon übernimmt Océ; eine weitere Fusionsmeldung, manroland mit Heidelberger Druck, wird von beiden Seiten abschlägig kommentiert: „Das sind Marktgerüchte, und wir kommentieren keine Marktgerüchte.“

Neue Produkte gibt es vor allem bei Digitalkameras, für die Raw-Bildbearbeitung sowie im Digitaldruck. Bei letzterem Systeme mit Inkjetverfahren im Großformat, mit UV-Veredlung, mit personalisiertem 1:1-Marketing oder für Transpromo.
Von sich reden macht der Lentikulardruck von „Wackelbildern im 3D-Effekt“.
In den Druckvorstufen geht weiterhin der Trend zur Prozessstandardisierung und -automatisierung. Schwerpunkte im Produktionsworkflow sind ein durchgängiges Farbmanagement, automatisiertes Ausschießen, die Farboptimierung für den Druckvorgang (Inksaving).
Die Tools für XML-, PDF- und JDF-Workflows häufen sich und sind, wie Computerzeitschriften belegen, manchmal sogar kostenlos.

Viel Beachtung finden 4 Produkte, die nicht eigentlich neu, sondern Upgrades sind: die Betriebssysteme Apple „Mac OS X 10.6“ (oder „Snow Leopard“) und Microsoft „Windows 7“ sowie Adobes grafisches Anwendungspaket „Creative Suite CS 4“, das Ende 2008 herausgekommen ist, und der „FileMaker“- in Version 10. Praktisch: Über die neue „Creative Suite“ werden eine Menge Tipps, Tricks und Workshops veröffentlicht, die ich alle im Januar gesammelt habe, siehe Langfassung. Auffälligstes Novum des „FileMaker 10“ sei die umgestaltete Oberfläche, meint die „Macwelt“ und gibt der „einfach zu bedienenden, leistungsstarken Datenbanksoftware“ die Note 2,3 (gut).
Die neuen Betriebssystemversionen kommen gut an, haben aber auch ihre Tücken: Apple zwingt nun zu Intel-Maschinen, das System gibt merkwürdige Fehlermeldungen aus und ärgert seine Benutzer nicht nur damit (siehe Mai). Eine IBM-Studie hält das „Mac OS X“ gar für unsicher. Auch „Windows 7“ wird kritisiert (natürlich, werden die „Macianer“ sagen): Immerhin finden sich heuer gleich drei Marktübersichten über Antiviren-Programme in der PC-Fachpresse (im Mai, Oktober und Dezember), während das Thema in der „Macwelt“ nur einmal behandelt wird (im Juni). Die Unternehmensberatung Experton Group mutmaßt, dass „Win 7“ „vielleicht das letzte Client-Betriebssystem der alten Art ist, wie wir sie kennen“ (siehe auch unter „Ausblick“). Mit Cloud Computing, dem „Arbeiten im Web“, bahnt sich eine Technologie an, über die sich erstmals die Systemhersteller Noxum (PI2) und DTI („IfraExpo 2009“) sowie Veröffentlichungen in ZT11 und MW12 auslassen.

Zum Thema Marktübersichten: Diese Kategorie, für Fachzeitschriften eigentlich eine Pflichtübung, hat leider nur noch Seltenheitswert. Sind sie den Redakteuren zu aufwendig, bringen sie nicht genug Anzeigen? Erwähnenswert sind die Marktübersichten über Desktop-Publishing-Software (CT Oktober), Open-Source-Software für den „Mac“ (MW12), Bildportale im Web, sogenannte Microstock-Portale (PX5-6, PZ NR.5), Digitaldrucksysteme (PS4 und SR September), CtP-Rekorder (DT1 und PS11). Ein Glanzlicht ist die dreiteilige Marktübersicht von Ira Melaschuk über Web-to-Print-Systeme (DD Juni und Juli).

Ein bemerkenswerter Flop: Das Presse- und Medienhaus Berlin stellt nach fast 10 Jahren die „netzeitung“ ein. „Damit ist der Versuch gescheitert, ein Zeitungsprodukt ins Internet zu transportieren, das nicht auf einem gedruckten Publikationserzeugnis basiert.“ (DD12.11)
Die Buh-Firma des Jahres heißt Google: Sie scannt und scannt und scannt ... Bücher (für „Google Books“), aber auch Zeitungsartikel. Google-CEO Eric Schmidt droht Zeitungsverlagen mit dem Aussterben, wenn sie ihre Inhalte nicht zur Nutzung im Internet freigäben, z.B. für die Recherche im „Google News Archive“. Die Verleger aber wollen an Googles Erlösen teilhaben.
Was das digitale Archivieren angeht, schlägt Andreas Blömer, Chefredakteur „prepress“, nach dem Einsturz des Kölner Historischen Stadtarchivs vor: „In der Druck- und Medienbranche verfügen die meisten Betriebe über das Knowhow, Schriftstücke professionell zu digitalisieren und sie einem breiten Leserkreis zur Verfügung zu stellen. Es liegt deshalb auf der Hand, dieses Knowhow den Archiven der öffentlichen Hand anzubieten, da dort sicher das Grundwissen fehlt, was man mit Schriftstücken neben Einlagern und Aufbewahren sonst noch alles machen kann.“ Die Frage ist nur, ob Google das nicht billiger macht – oder umsonst.

Ein digitaler Weihnachtsbaum von EidosMedia zeigt, womit sich Systemanbieter und Verleger beschäftigen.

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Wenn Sie mehr und Genaueres wissen möchten, holen Sie sich das PDF-Dokument „2009“ [277 KB] .

Auf der Seite „Ausblick auf 2010 und darüber hinaus“ äußern sich EDV-Spezialisten, welche Fortschritte sie in den kommenden Jahren erwarten.

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