2008 ist ein Jahr mit 2 Großkampfveranstaltungen: Sommerolympiade und „Drupa“.

Das „Drupa“-Jahr beginnt im Januar mit Presseveranstaltungen und endet im Spätherbst mit den letzten Berichten über die „Drupa“-Neuheiten.
Mit der „Drupa“ einher gehen Erfolgshoffnungen auf Anbieter- und Käuferseite: 1971 Aussteller, etwa 100 mehr als auf der „Drupa 2004“, und 391 000 Besucher, fast soviel wie auf der Vor-„Drupa“, prallen aufeinander.


„Drupa“-Erwartungen der Fachpresse
„Die ,Drupa‘ ist mehr als ,nur‘ eine Druck- und Papiermesse – sie materialisiert eine neue Kommunikationsära.“
Größer, schneller, „grüner“; die „Drupa“ wird grün; „es grünt so grün“.
„… eine der innovativsten ,Drupas‘ aller Zeiten, mit vielen Gesichtern: Automatisierung, höhere Format- und Leistungsklassen mehrerer Druckverfahren, Digitaldruck, Veredlung, wachsende Substratvielfalt“.
„Druckmaschinen sind die Stars an der ,Drupa‘“; „Großformat-Fieber“ im Bogenoffset.
„Nach der JDF- nun eine Inkjet-,Drupa‘?“; „Inkjet überall“.
„Man könnte sagen, dass die ,Drupa‘ eine Spektralfotometer-,Drupa‘ sein wird, wenn man die große Verbreitung dieses Instruments berücksichtigt und wie das Spektralfotometer in verschiedenste Druckgeräte eingebaut wird, von großformatigen Inkjetdruckern über xerografische und elektrografische Digitaldrucker bis hin zu Offset- und Flexo-Druckmaschinen.“

„Eines steht fest: Es wird heiß in Düsseldorf! Ob durch eine frühsommerliche Wetterlage, weil der ,Drupa‘-Termin erstmals seit Jahrzehnten weit in den Juni gerutscht ist. Ob durch die mühsamen langen Wege, weil die ,Drupa‘ mit neuen Messehallen größer ist denn je. Oder durch die Qual der Wahl, weil Computerisierung, Automatisierung und Industrialisierung der grafischen Produktion eben keinen ,Mainstream‘ beschert haben, sondern eine wachsende Vielfalt an Techniken, mit denen Druckfarben, Lacke, Tinten oder Folien auf Bedruckstoffe aufgebracht werden.
Wichtige Themen werden sein: Internet als Transportweg für digitale Workflows und Serviceleistungen. Standardisierung und Inline-Qualitätskontrolle. CTP: thermal, violett oder konventionell? Großformatdruck im Offset und digital. Kleinauflagendruck: Offset gegen digital. Die entsprechenden Auswirkungen der letzten beiden Trends auf das Finishing. Vielfalt der Bedruckstoffe: Von Papier und Karton zu Kunststoffen und synthetischen Materialien. Die entsprechenden Auswirkungen auf Tinten, Farben und Trocknungsverfahren. Mehrwertdruck durch Inline-Veredelungen. Effizienz und Kostenreduzierung.
Und, natürlich: Klima- und Umweltschutz. Nicht wenige Protagonisten und Beobachter der Branche meinen, dass dieses Thema so wichtig sei, dass eine ,grüne Drupa‘ gar der Startschuss für ein deutlicheres Umwelt- und Klimaschutz orientiertes Profil der Branche sein könnte oder müsste.“ (Editorial T.Fasold in PQ6, S.3)


Nach der „Drupa“ ist nicht wie vor der „Drupa“
Für Rolf Schwarz, Präsident des BVDM, gibt es 2 bemerkenswerte Entwicklungen: einen rasanten technologischer Fortschritt des Digitaldruck und „umweltbewusstes Drucken“; der BVDM stellt seine „Klimainitiative“ mit einem eigenen CO2-Rechner vor:

Weitere Erkenntnisse: „Digitaldruck in geballter Vielfalt“; „eine Inkjet-,Drupa‘ war es definitiv nicht“ – aber konträr: „Dies war zweifellos eine Inkjet-Messe, denn jeder sprach darüber.“ Unauffällig, aber bemerkenswert: „Giroform Digital“ von Mitsubishi, das erste Selbstdurchschreibpapier für den Digitaldruck.
Für M.Schüle vom DD ist „LED Proofcontrol“, ein neuartiger Farbabmusterungskasten von Just, „eine der größten technologischen Innovationen auf der Messe“.

Stimmen aus der Schweiz. J.Franck (in VS10.6.): „Mit dem Schließen der Hallentore kehrt wieder Normalität in die grafische Industrie zurück. Danach ist manches auf der Lieferantenseite nicht mehr so, wie es noch vor der ,Drupa‘ war. So haben sich viele ausstellende Unternehmen neu positioniert, neu aufgestellt. Beispiel ist, um bei den Ausstellern mit ,Drupa‘-Heimvorteil zu beginnen, der in Vorstufe, Druck und Druckweiterverarbeitung gleichzeitig durchgeführte Ausbau des Portfolios von Heidelberg in Richtung Groß- bzw. 6-/7b-Format. Dazu zählt auch der nur zwei Wochen vor der ,Drupa‘ bekanntgegebene und damit sehr überraschende Einstieg von MAN Roland (neu: manroland) ins Klein- bzw. A3-Format – samt neuem Auftritt ist dies ebenfalls eine Neupositionierung. KBA sieht neben dem neuen Flaggschiff ,Rapida 106‘ Chancen in einer, wenn man so will, zweiten Baureihe und gründet zusammen mit Hiflex das Unternehmen KBA Complete, um den abfahrenden JDF-Zug nicht zu verpassen. Veränderungen auch bei den Anbietern aus Japan: Ryobi grast seit der ,Drupa 2008‘ zusätzlich in der B1-Format- Klasse, und Komori signalisierte, dass der Konzern durchaus in der Lage ist, die Rüstzeiten nochmals zu senken sowie lange, mit diverser Inline-Veredelungstechnologie ausgestattete Druckmaschinen zu konzipieren und zu fertigen.
Auch im Digitaldruck-Segment waren Veränderungen und Neupositionierungen erkennbar – wenn auch weniger ausgeprägt. Entgegengesetzte Wege haben hier Xeikon und Canon beschritten. Während Xeikon mit der ,8000‘ ein deutlich schnelleres Drucksystem vorstellte, sieht Canon wohl eine Chance für günstigere Einstiegsmaschinen und hat die ,ImagePress‘-Baureihe um zwei kleinere bzw. eigentlich geschwindigkeitsreduzierte Schwestern ergänzt. HP hat erneut seinen Führungsanspruch in der grafischen Industrie bekundet: Die Übernahme von NUR im Vorfeld der ,Drupa‘ und der Ausbau der Indigo-Baureihe sind klare Signale, in welche Richtung der IT- und Druckkonzern will. Stärker umkämpft als bisher präsentierte sich der Bereich des Hochleistungs-lnkjetdrucks. Neben Platzhirsch Kodak, der eine neue ,Versamark VL 2000‘ vorstellte, mischen hier nun unter anderem Screen mit der lange angekündigten und nun auch verfügbaren ,Truepress Jet 520‘ und Océ mit deren Drucksystem ,JetStream 1100/2200‘ mit.
Verändert hat sich auch die Messe selbst. Dem Aufzeigen von Geschäftsmodellen, dem Einbinden der Printbuyer (,drupacube‘) und den Verbesserungen der Profitabilität wurde an dieser ,Drupa‘ so viel Platz eingeräumt wie nie zuvor. Auch damit ist nichts mehr wie vor der ,Drupa‘.“

… in praxistaugliche Lösungen gießen: Francks Kollege M.Spaar nachdenklich (Editorial in PZ Nr.3): „Mich hat, zu meiner eigenen Überraschung, ein System eines Etablierten am meisten beeindruckt: ,Apogee Media‘ von Agfa. Diese Lösung zeigt, was mit der heute greifbaren Technologie machbar ist. Das System bietet ,integriertes Publishing‘ mit Asset Management, Redaktionssystem, Web-to-Print, Farbmanagement, Preflight und PDF-Workflow aus einem Guss. Und vielleicht ist genau dies der vielversprechendste Trend für die nächsten vier Jahre: Nicht primär nach neuen Visionen suchen, sondern das sauber in praxistaugliche Lösungen gießen, was jetzt schon an Konzepten, Technologie und Know-how verfügbar ist.“

Fazit des „Drupa“-Veranstalters Messe Düsseldorf : „Seit Jahrzehnten ist die Haus- und Hoffarbe der ,Drupa‘ ein sattes Rot. Bei der diesjährigen Messe hat sich ein leuchtendes Grün hinzugesellt, denn die Druckbranche will ,grüner‘ werden. Sprich: Der Umweltschutz und die Schonung von Ressourcen spielen auch im Druck eine immer größere Rolle. Während der ,Drupa‘ hat der Bundesverband Druck und Medien eine Klimaschutzoffensive gestartet, um Druckereien dazu anzuhalten, ihre Kohlenstoffdioxid-Emissionen zu verringern. Auch die Hersteller waren nicht untätig: Die Unternehmen der Printcity-Allianz haben eine Broschüre veröffentlicht, die Antworten auf wichtige Umweltschutzfragen gibt. Heidelberger Druck bewarb Systeme, die besonders umweltschonend sein sollen, mit einem lebensgroßen Hirsch aus Plüsch, während KBA in Halle 16 ein ,grünes Druckzentrum‘ ausrief. Agfa, Canon, Fujifilm, HP, Ricoh und Screen unterstützen das Projekt „Verdigris“, das sich ebenfalls mit der Verringerung des CO2-Ausstoßes befasst.
Erneuerbare Materialien halten auch bei den Druckfarben Einzug: Sun Chemical setzt dazu auf Pflanzenöle. Recyclingfreundlicher als bislang sind die RFID-Etiketten, die Bielomatik vorgestellt hat. Direkt auf der ,Drupa‘ zeigte darüber hinaus der Papierhersteller UPM Engagement und beseitigte gemeinsam mit dem Entsorgungsunternehmen Remondis sämtliche Papierabfälle.
,Grün‘ war auf der ,Drupa‘ in aller Munde: Hersteller und Dienstleister der grafischen Industrie werden auch in Zukunft nicht umhin können, dieses Wort mit Taten lebendig zu machen.“

Eine ausführliche Liste der „Drupa“-Neuheiten finden Sie in der Langfassung [315 KB] .


Neuigkeiten aus dem IT-Bereich ...
„Mit einem Paukenschlag beginnt das neue Jahr“ („Pcgo“ 3): Nach der Entscheidung des Filmstudios Warner Bros. ausschließlich für die „Blu-ray“-Technologie sieht es so aus, als ob Blu-ray (neben Warner stehen dahinter die Filmstudios Sony, Disney und 20th Century Fox, auch Sonys „Playstation 3“) das Rennen gegen „HD DVD“ (Universal, Paramount, außerdem Microsoft) gewinnt. Mitte Februar gibt Toshiba, größter Unterstützer des HD-DVD-Formats, bekannt, dass er die Produktion von Playern und Rekordern einstellt: Blu-ray ist Sieger!
Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder zur Entscheidung der DVD-Nachfolge: „Wir begrüßen, dass ein jahrelanger Formatkrieg vermieden wurde. Durch die Richtungsentscheidung gibt es bereits in einer frühen Phase Planungs- und Investitionssicherheit. Hiervor profitieren Verbraucher, Gerätehersteller, Studios und Entwickler. Wir erwarten in den kommenden Jahren ein dreistelliges Wachstum bei HD-Playern und neue Impulse für HD-fähige Fernseher.“

Microsoft will Yahoo für 40 Mrd. US-Dollar übernehmen, aber die; Fusionsgespräche werden im Mai abgebrochen. Stattdessen kooperiert Yahoo mit Google bei der Vermarkung von Internet-Anzeigen. Keine Frage, die Weltpresse lehnt die Yahoo-/Google-Werbevereinbarung ab.
Bill Gates verabschiedet sich im Januar als Vorsitzender von Microsoft, um sich Ende Juni aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen und dann ganz seiner wohltätigen Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung zu widmen.
Das Wirtschaftsmagazin „Fortune“ wählte Steve Jobs als einflussreichsten Geschäftsmann der Welt. In den vergangenen 30 Jahren habe der Apple-Gründer in 5 Geschäftsbereichen für Innovationen gesorgt und maßgeblich die Entwicklung neuer Technologien im Computer-, Film-, Verkaufs- und Mobilfunkbereich vorangetrieben. Auf dem 2.Platz der Liste landete der amerikanische Medienmogul Rupert Murdoch, gefolgt von Lloyd Blankfein, dem Vorstandschef der Investmentbank Goldman Sachs. Erst an 7.Position ist mit Bill Gates der Microsoft-Gründer zu finden.

Apple bringt mit „MacBook Air“ das „dünnste Notebook der Welt“ heraus und wird von Psystar mit einem „Mac“-Klone (mit „EFI V8“-Emulator zur Installation des „Mac OS X 10.5“) herausgefordert. Die „Macwelt“ mutmaßt im Mai, dass dieser Klone wohl nicht auf den Markt kommen werde. Apple verklagt den Hersteller, aber Apple und Psystar sollen sich außergerichtlich einigen (MW12). Seitdem hat man vom „Open Computer“ nichts mehr gelesen oder gehört.
Apple ist mehr wert als Google (Business Week bzw. MW10): „Google ist seit seinem Gang an die Börse der Liebling der Investoren. Was die Marktkapitalisierung betrifft, liegt Apple aber mittlerweile vor dem Internet-Dienstleister: Eine Addition aller Aktien des Unternehmens aus Cupertino, multipliziert mit dem Wert jeder einzelnen Aktie, ergibt einen Wert von 157 Milliarden US-Dollar. Google ist seinerseits 156 Milliarden US-Dollar wert. Vor beiden liegen allerdings noch Unternehmen wie IBM (169 Milliarden USD) und Microsoft (255 Milliarden USD), weiter unten auf der Liste stehen Intel (135 Milliarden USD), HP (111 Milliarden USD) und Dell (50 Milliarden USD).“

Die Flash-Festplatten (Solid State Drives) kommen (MW2): von Intel, Memoright, OCZ, Photofast, Samsung, SanDisk, Toshiba, Transcend, wie auch die Netbooks (= Notebooks mit abgespeckter Hardware) von 200 bis 400 Euro.


… und aus der Druckerei-/Publishing-Szene

Agfa Graphics plant die Schließung seines Werks in Wilmington, MA, USA, somit die Entwicklung und Herstellung von CtP-Systemen „und hat deshalb seine OEM-Partnerschaft mit einem der führenden Hersteller von CtP-Systemen für den Akzidenzdruck ausgebaut“ (Januar).
CIP 4 und NGP, Networked Graphic Production vereinbaren, dass die NGP-Funktionalität in CIP 4 übernommen wird (Januar).
Im Sommer veröffentlicht Enfocus veröffentlicht seine „Certified PDF“-Technologie.
ISO, die internationale Organisation für Normung, erkennt „PDF 1.7“ unter der ISO-Norm 32000-1 offiziell als weltweiten Dokumentenstandard an (PI7.7.).
MAN Roland ändert die Schreibweise und heißt künftig manroland.


Sprüche des Jahres

„Ein 12 Megapixel großer Bildsensor sorgt für mehr Probleme, als er nützt.“ (Ma.Schelhorn in MW2, nach einem Test von 8 Kompakt-Digitalkameras). Andererseits sind für Fotografierprofis durchaus mehr Pixel angebracht: Von Phase One stammt das Digitalrückteil
„P 65+“ mit 60,5 Megapixeln, erreicht durch einen neuen CCD-Vollformat-Sensor.

„Verkaufen Sie noch, oder verführen Sie schon?“ (Kommentar der Kommunikations- und Verkraufstrainerin Nicola Fritze in DS Nr.10).

Ausblick auf den Workflow des Jahres 2020: „Im Jahr 2020 hat eine Druckerei nur noch zwei Mitarbeiter: einen Mann und einen Hund. Beide haben eine Aufgabe: Der Mann muss den Hund füttern. Und der Hund? Der muss den Mann beißen, falls der auch nur in die Nähe einer Maschine kommt!“ (M.Mittelhaus in PI15.2. Messe Düsseldorf)


Print oder Web?

„Ein gedruckter Katalog unterstützt den menschlichen Entdecker-Geist.“ Allerdings: „Das Online-Geschäft wächst doppelt so schnell wie das klassische Druckereigeschäft.“ (Ralph Hadem, Geschäftsführer der Druckerei Color Connection, Frankfurt, im Interview; DD14.2.).

Print ist einprägsamer: „Die Stärken von Print in der Marken- und Unternehmenskommunikation“ heißt eine 65seitige Studie der HDM, Hochschule der Medien, Stuttgart, und der Print Media Academy der Heidelberger Druckmaschinen AG. Nach dieser Studie behalten gedruckte Medien im Vergleich zu Web 2.0 und TV eine hohe Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit. Druckmedien stünden für anspruchsvolle Informationsaufbereitung sowie für eine entschleunigte und nachhaltige Medienrezeption, die eine hohe Werbewirkung induziere.
Wie die Projektstudie zeigt, werden gedruckte Botschaften im Vergleich zu elektronischen Medien positiver erinnert. Print erweise sich als das einprägsamere Medium.
Die Ergebnisse belegen: Druckmedien sind unaufdringlich. Der Werbekontakt werde nicht störend empfunden, sondern bewusst zugelassen. Im Mediamix erreiche Print hohe Glaubwürdigkeit und eine zielgruppengenaue Ansprache. Fazit der Autoren: „Die Gutenberg-Galaxis hat viel Potenzial.“

Einer der Gründe für den Personalabbau der „L.A. Times“: „Der zentrale Aspekt ist, dass die Menschen ihr Vertrauen in die Printmedien als Informations- und Werbemedien verlieren.“ (James O’Shea, Ex-Chefredakteur, im Interview ZT5)

Noch ein guter Spruch in diesem Zusammenhang: „Papier – das Kleid einer Druckarbeit“ (Editorial D.Kläy in VS16.9.).

„Where News“-Initiative der Ifra: „Wenn wir das World Wide Web (WWW) als die Herausforderung der Zukunft begreifen und den Kunden im Sinne einer ,Consumer Centric Communication‘ (CCC) erreichen wollen, kann die Lösung nur lauten ,Multimedia, Multichannel, Multiplattform‘ (MMM), oder in Kurzform: Herausforderung WWW, Ziel CCC, Lösung MMM.“ (Ifra-CEO Reiner Mittelbach in ZT10)

Print in der Krise? „Es gibt keine Print-Krise. Wenn überhaupt, dann haben wir eine Qualitätskrise der Print-Produkte. Viele Blätter werden immer schlechter. Das liegt unter anderem an diesen Excel-Fuzzis, die dem Qualitätsjournalismus die Schlinge um den Hals gelegt haben.“ (Uwe Dulias, Journalist, Hamburg)

Der „Christian Science Monitor“ will als erste größere Tageszeitung der USA (Auflage knapp 70 000) seine gedruckten Werktags-ausgaben ab April 2009 einstellen und nur noch als Online-Version herausbringen, außerdem eine Sonntagsausgabe in Magazinform auf Papier („New York Times“ 6.11.).

14.12. Zum Fahrplanwechsel gibt die Deutsche Bahn zum letztenmal ein gedrucktes Kursbuch für alle deutschen Verbindungen heraus. In Zukunft sind die DB-Fahrplantabellen nur auf CD oder im Internet zu finden. (M.Ebner in BK11.12.)


Einige Fakten zur Zukunft,
die für die Publishing-Branche relevant sind (ZT6):
– Wir werden in einer IT-Welt leben, mit dem Internet als unsichtbarer Nabelschnur.
– Die Altersgruppe 90+ wird schneller wachsen als jede andere.
– Systeme werden kontextsensibel sein und wissen, wo Sie sich befinden, wer Sie sind und was Sie wollen.
– Die soziale Schere öffnet sich weiter: Es wird Menschen geben, die keine Zeit, aber viel Geld haben, und Menschen, die viel Zeit, aber kein Geld haben.Die Kluft zwischen Menschen mit hohem und niedrigem Bildungsgrad wird sich vergrößern.
– Die Menschen werden mehr reisen und pendeln, als es heute der Fall ist.
„Print, Online, Mobile – das Multi-Channel-Publishing ist bereits Realität und dokumentiert einen geradezu dramatischen Umbruchprozess in der Zeitungsindustrie.“ (aus der Einladung zu den „ppi-Tagen 2008“ von ppi Media)


Grün, ohne und mit Print
Green IT steht erstmals auf der Agenda einer „CeBIT“, realisiert im „Green IT Village“. „Green IT ist ein Top-Thema der diesjährigen ,CeBIT‘. Würde jede vierte Geschäftsreise in Europa durch Videokonferenzen ersetzt, sparte dies 28 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr.“ (Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer). Nach Bitkom-Angaben lasse sich durch Green IT sogar Geld sparen: „Ein grünes, energieeffizientes Rechenzentrum kann sich in 2 Jahren allein über die Stromeinsparungen amortisieren.“

Musterbeispiel Adobe: „grün“ dank Hightech und papierlosem Büro (Editorial J.Franck in VS19.8.): „Dass Druckereien zunehmend nach ökologischen Grundsätzen produzieren oder gar klimaneutral drucken, ist nichts Neues mehr. Doch dass auch Software-Hersteller ökologisch ,produzieren‘, überrascht. Adobe Systems im kaliforni-schen San Jose ist in diesen Belangen in den USA, wenn nicht gar weltweit eines der Vorzeigeunternehmen. Der größte Arbeitgeber dieser knapp 1 Million Einwohner zählenden Stadt, der am Hauptsitz auf drei Towers aufgeteilt etwas mehr als 2500 Mitarbeitende beschäftigt, setzt sensorgesteuerte Toilettenspülungen, Handtrockner und Wasserhahnen sowie wasserlose Wandurinale ein, um Wasser und Energie zu sparen. Trinkwasserdispenser statt PET-Wasser-flaschen reduzieren Abfall, und das Besteck in der ausschließlich Bioprodukte verwendenden Kantine wird aus kompostierbarer Speisestärke hergestellt.
Doch Adobe bedient sich zur ressourcenschonenden Produktion auch der Computertechnik. Die von im Sommer sehr hohen Temperaturen geplagten Einwohner Kaliforniens sind bekannt für ihr Know-how zur Begrünung von Vorgärten und Experten bei der Tropfbewässerung. Adobe macht sich dieses Wissen zunutze und setzt bei seinen Grünflächen spezielle Rasensorten ein, die mit weniger Wasser auskommen, und lässt das Bewässerungssystem elektronisch steuern. Ein Zugriff auf einen Wettersatelliten im Steuerraum berechnet dazu den Wasserbedarf für den nächsten Tag und stellt das Tropfsystem entsprechend ein. Vom selben zentralen Überwachungsraum, der einer Kommandozentrale eines intergalaktischen Sternenkreuzers gleicht, kann auf alle Lichtschalter in sämtlichen Büros Einfluss genommen werden, automatische Bewegungsmelder steuern die auf das Minimum reduzierte erforderliche Treppenhausbeleuchtung.
,Wir sparen auch Ressourcen und Geld durch den Einsatz unserer Produkte‘, erklärt der für den Gebäudeunterhalt verantwortliche Randy H. Knox bei einem Rundgang. ,Wo immer möglich, setzen wir im Unternehmen Adobe Acrobat ein und sparen damit Unmengen von Papier.Dank der Kommunikationssoftware Adobe Connect konnten zudem die Geschäftsreisen deutlich reduziert werden.‘
Die Anstrengungen haben sich für Adobe gelohnt: Das Softwarehaus hat vom amerikanischen U.S. Green Building Council für seine Bemühungen zuerst die Gold- und schließlich die Platin-Zertifizierung erreicht. Und auch finanziell haben sich die Aktivitäten ausgezahlt: Der Stromverbrauch konnte seit Beginn der Maßnahmen um 35%, der Einsatz von Gas um 41%, der Wasserverbrauch um 22% und der C02-Ausstoß um 20% reduziert werden. Als nächster Schritt wird eine Investition in eine Windkraftanlage zwischen den Towers geprüft.“

Die bequeme Wahrheit oder: Das zynische Geschäft mit der Umwelt (aus einem Kommentar von Ralf Turtschi in PZ Nr.4): „…die grafische Industrie unternimmt enorm viel, um umweltfreundlicher zu produzieren. Es scheint manchmal so, dass all der grafische Plunder überhaupt überflüssig sei. Wer liest denn schon eine Gebrauchs-anleitung, ein Handbuch, unangeforderte Werbung? Gibt es sinnvolle und unsinnige Druckerzeugnisse? Ist die Werbung – bin ich – mit schuld an der Klimaerwärmung?
Es stellt sich die Frage, was es das Klima kostet, unsinnige Produkte, die niemand will, zu vervielfältigen und zu Tausenden bestenfalls dem Recycling zuzuführen. Wäre es nicht weitaus besser, auf solche Massenprodukte ganz zu verzichten, als sie klimaneutral regelrecht zynisch auf FSC-Papier zu produzieren und die Restschuld per Myclimate zu entsorgen? Wir müssten ganz verzichten, statt mit Oberflächenkosmetik den Ressourcenverschleiss zu legitimieren und als ,besser als nichts tun‘ darzustellen.
Es sind aber immer die andern, die etwas tun sollen. Wollen wir verzichten und unter Umständen ganze Wirtschaftszweige ruinieren? Ökologie ist heute vor allem ein lukratives Nischengeschäft und weniger verbunden mit einer unternehmerischen Haltung. Wir verhalten uns gegenüber der Umwelt offenbar nachhaltig schlecht, gedankenlos und eigennützig. Wir wollen uns nicht ändern – denn mit einem grünen Mäntelchen lässt es sich doch ganz gut leben. Noch.“


Nostalgisches
Setzerei abzugeben: „Eine kleine Setzerei mit seltenen Bleisatz-schriften sowie ein gut erhaltener Bostontiegel stehen zum Verkauf. Bei den Schriften handelt es sich um ,Gill‘, ,Times‘, ,Englische Schreibschrift‘, ,Gotik‘, ,Futura‘, ,Garamond‘ sowie Stehsatz und Blindmaterial. Der Bostontiegel stammt auf dem Jahr 1904 und trägt die Aufschrift ,Meister Höhne, Berlin‘. Bisheriger Besitzer ist ein Privatmann, der als Preis 2500 Euro angegeben hat. Interessenten können sich wenden an …“ (Inserat mit der Überschrift „Zum Wegwerfen viel zu schade“ in DD13.3.)
Die Offizin Wastei in Filderstadt druckt auf einem alten Tiegel das mit 17,01 m längste Miniaturbuch der Welt: „Typorello“. (DD6.3.)

Brandneu
Gedruckte Elektronik: Bericht über die „Printed Electronics Europe 2008“-Konferenz in Dresden (F.Lohmann in DD15.5.). Flashlight-Report: leitfähige Inhalte auf Papier (ZT5). Schober: Neue Entwicklungen für die RFID-Smart-Etiketten-Produktion (DD22.5.).
Bildmanipulationen: Der schmale Grat zwischen Bildoptimierung und -fälschung (A.Trinkwalder in CT18.8.). Digitale Bildforensik: Algorithmus jagt Fälscher (A.Trinkwalder in CT18.8.).
Xerox präsentiert auf der Ausstellung „Wired NextFest“ erstmals öffentlich ein experimentelles „Erasable Paper“ (lösch- und wiederladbares Papier; WT26.9.).

Publishing 3.0 (PZ Nr.6): „Der Begriff soll in Analogie zu Web 3.0 ausdrücken, dass eine neue Ära des Publishing anbricht. Publishing 1.0 waren die Satz- und EBV-Systeme der 70er-Jahre, Publishing 2.0 war das Desktop-Publishing, das uns leistungsfähige Technologien und Werkzeuge wie ,Photoshop‘, ,Illustrator‘, Quark ,Xpress‘, ,InDesign‘, ICC-Farbmanagement, PDF-Workflows usw. brachte. Mit Publishing 3.0 kommen jetzt neue Publishing-Lösungen, die einen hohen Grad an Automatisierung und eine massive Efftzienz-steigerung erlauben werden. Wir sehen Publishing 3.0 zur Hauptsache durch folgende Eigenschaften charakterisiert:
– Prozessorientiert: Die heutigen Workflows funktionieren in der Regel nach dem Prinzip Eingabe – Verarbeitung – Ausgabe als Einbahnstraße. Kommt es zu inhaltlichen Änderungen, muss der ganze Workflow nochmals von vom nach hinten durchlaufen werden. Publishing 3.0 basiert dagegen auf Prozessen, die interaktiv ineinander verzahnt sind und die dynamische Aktualisierung von Inhalten an jeder Stelle des Prozesses ermöglichen.
– XML-basiert: Bei der oben genannten Interaktion zwischen den einzelnen Prozessen spielt XML als Basis für standardisierte Schnittstellen eine Schlüsselrolle.Datenbankgetrieben: Inhalte (Assets) werden in Datenbanken verwaltet and von dort dynamisch in die Publishing-Prozesse eingespeist.
– Internetgestützt: Die Möglichkeiten, das Internet als Prozessop-Optimierugsplattform für Publishing-Prozesse zu nutzen, werden voll ausgeschöpft.
– Kundenzentriert: Beim Publishing 3.0 rückt der Kunde ins Zentrum des Geschehens. Seine Datenbanken speisen die Publishing-Lösungen mit Inhalten, und über webbasierte Benutzer-Schnittstellen ist er fest in die einzelnen Prozesse eingebunden.“

Geburtstage
10 Jahre Google; Fujifilm: 10 Jahre „Finepix“-Digitalkameras.
15. Geburtstag des ICC, International Colour Consortiums.
Adobe „Photoshop“ wird 18 Jahre alt – volljährig.
25 Jahre Computerviren: Am 10. November 1983 stellte der US-Forscher Fred Cohen an der University of Southern California den ersten Computervirus vor.
40. Geburtstag der Maus (Newsletter „PC-Secrets“ am 12.12.): „Am 9. Dezember 1968 zeigte der Computerpionier Douglas C. Engelbart auf einer Konferenz eine neue Entwicklung: ein im Auftrag der NASA entwickeltes Zeigegerät, mit dem man einen Punkt auf einem Bildschirm frei bewegen konnte. Das war die Geburtsstunde der Computermaus.“
Zwei runde Geburtstage renommierter Schriftendesigner: Der Schriftendesigner Adrian Frutiger wird am 24.Mai 80 Jahre alt. Linotype veröffentlicht aus diesem Anlass zur „Frutiger“, einer klassischen Linear-Antiqua-Schrift, eine Version mit Serifen – die „Frutiger Serif“. Und im Birkhäuser Verlag erscheint Adrian Frutigers „Schriften – Das Gesamtwerk“ auf 460 Seiten.
Hermann Zapf wird am 8.11. 90 Jahre alt.

Rekorde
Kyocera liefert mit „KJ 4“ den „weltweit schnellsten Tintenstrahl-Druckkopf“.
EskoArtwork demonstriert auf der „Drupa“ den ersten durchgängigen JDF-Workflow für die Verpackungsproduktion, in Zusammenarbeit mit Dr. Lauterbach & Partner, MAN Roland und Bobst sowie der Limmatdruck Zeiler AG als einem der ersten Anwenderund dem Schweizer Markenartikler Migros.

CtP-Führungsansprüche: Mit 6500 installierten Rekordern und einem Marktanteil von 26% belegt Heidelberger Druck im Computer-to-Plate zur Zeit weltweit den Spitzenplatz. Allein das Zwei- und Vierseitensystem „Suprasetter A 52/A 74“ wurde im Zeitraum seiner Einführung im Spätsommer 2006 und Juli 2007 500fach installiert und ist die „weltweit erfolgreichste CtP-Familie“ (J.Franck in VS9.12.) Im internationalen Vergleich ist die Schweiz mit 177 CtP-Rekordern der Heidelberger prozentual überdurchschnittlich gut vertreten. (VS20.5.).
Screen ist die weltweite Nummer 1 bei der Herstellung von CtP-Systemen. Seine Zukunft sieht das Unternehmen aber nicht nur in der Druckplatte, sondern vermehrt im Digitaldruck.“ (P.Fischer in VS20.5.)
Auf der Fachmesse „Fensterbau Frontale 2008“ zeigte Inoutic mit dem „Book of Innovations“ eins der größten Bücher der Welt. Es misst 4,5 x 5,5 m, allein der Titel wiegt 200 kg. Gedruckt wurde es von Logo-Werbetechnik, Alsdorf, mit Vutek „UltraVu II 5330 EC“ im 8-Farben-Druck. (DD12.6., S.54)

Trends
Die Trends und Entwicklungen des Jahres 2008 heißen Digitaldruck und Web-to-Print (P.Ebeling in PX11-12). Aus Kodak-Sicht, zum Thema TransPromo-Druck: „In jeder Dekade tauchen neue Technologien auf, die herkömmliche Arbeits-weisen beeinflussen und verändern. Kodak ist überzeugt, dass in diesem Jahrzehnt der variable Datendruck in Farbe diese Schlüssel-technologie ist.“

Web-to-Print: Das IRD meint in Ausgabe 1 von „IRD kompakt“, dem Informationsorgan für seine Mitglieder: „eProcurement, Content Management und Web2Print sind kein Selbstläufer, sondern harte Vertriebsarbeit“ und erklärt: „Die softwareunterstützte Verzahnung zwischen Druckerei und Kundenworkflow steht im Rampenlicht. Wieder einmal. Verdrängt werden der Aufwand und die Grundlage, die eine solche Lösung überhaupt ermöglichen. Es ist nicht das leichte Spiel und der schnelle Erfolg. Denn die Anschaffung geeigneter Software bringt genau so wenig Märkte, wie die Investition in eine Digitaldruckmaschine.“ Die Realität sei leider komplexer, belegt durch die Praxis. Denn Web2Print ist nicht neu. „Das zeigen allein die vom IRD in den letzten 10 Jahren präsentierten Beispiele im Aufbau einer solchen Leistung.“
Es komme auf den Lösungsansatz an. Laut IRD gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Wege:die anonymisierte Abwicklung von Druckaufträgen als Online-Druckerei oder die kundenindividuelle und auftragsübergreifende Workflow-Modellierung.„Der zweite Weg bietet mehr Chancen. In Bezug auf Differenzierung und erreichbare Kundenbindung ist er, kombiniert mit einem starken Verkauf, eine sinnvolle Ergänzung und Verstärkung. Jeder Kunde ist anders, und kein Workflow gleicht dem anderen. Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen, wenn Standardargumente durch seriöse Prozessanalysen ersetzt werden – egal, ob es sich um eine eProcurement-Lösung, den Freigabeprozess, eine Projektmanagement-, eine Corporate-Design-orientierte Produktionsunterstützung oder eine Kombination von all dem handelt.
Die Workflowanalyse und Nutzenargumentation bleiben das Herzstück einer erfolgreichen Lösung. Das sind hohe vertriebliche Anforderungen – und kein Ad-hoc-Geschäft: 6 Monate für die Entscheidung des Kunden sind bei komplexeren Projekten keine Seltenheit.
Genauso wichtig ist der unternehmensbezogene Aspekt, die vom Kunden in seine Entscheidung einbezogene Kompetenzvermutung. Ein Partner, der in die sensiblen eigenen Prozesse eingreift, will gut gewählt sein. Erfahrungs- und Vertrauenseigenschaften müssen sich entwickeln. Und erfolgreich ist nicht der Einstieg über eine komplexe Lösung. Ein Mammutprojekt hat schon häufiger ein Workflow- oder Softwaregrab geschaufelt.“
Allein durch das Schlagwort, durch den Besitz einer Software bewege sich nichts – aber so werde vielfach argumentiert.

Web-to-Print ist eine „Vitaminspritze für die Druckindustrie im Internet-Zeitalter“ (PS6, S.42).


Die Druckbranche, aus Bankensicht:
„Chancen zeigen sich durch Crossmedia und elektronische Informationsverarbeitung, die vollkommen neue Herstellungs- und Vertriebsverfahren bieten. Viele Chancen liegen in der neuen Funktion des Mediendienstleisters. Eine breite Vorstufen- und Medienkompetenz bei Beratung und Auftrags-abwicklung gilt in der Branche als Erfolgsfaktor. Risiken liegen im überaus harten Verdrängungswettbewerb, den bestehenden Überkapazitäten im Markt und auch im enormen Finanzierungsaufwand für Maschinen und Anlagen mit einem immer kürzeren Lebenszyklus.“ (Deutscher Sparkassen- und Giroverband in DS Nr.9)
Kooperation: „Der Trend muss vom Einzelkämpfer zu einer Vernetzung mit Partnern auf Kunden- und Lieferantenseite gehen, sowie zu einem Know-how-Netzwerk. Es gilt Geschäfte kompetent zu realisieren und innovative ergänzende Dienstleistungen anzubieten, ohne den Maschinenpark aufzurüsten. Das widerspricht der traditionellen ,Das können wir selbst am besten‘-Mentalität.“ (Lucas Franzot, Geschäftsführer des MVD Print-Partner-Netzwerks, in DD21.8.).

Technologie-Roadmap der Ifra: „Wir werden weniger über die Technologie selbst nachdenken und mehr über die Inhalte und Dienste, die uns diese Technologien liefern. Die Technologie ist unwichtig; woraus es ankommt, ist die Interaktion.“ (R.Mittelbach in ZT9)


Wie ging’s der Druckindustrie im Jahr 2008?
Der BVDM, Bundesverband Druck und Medien auf seiner Jahrespressekonferenz im Juli 2009: „Im Jahr 2008 erwirtschafteten die rund 11 000 Unternehmen der Branche einen Umsatz von etwa 23,3 Mrd. Euro. Dies sind rund 1% weniger als noch im Jahr zuvor (23,6 Mrd. Euro). Die Kapazitätsauslastung der Betriebe sank im Jahresdurchschnitt 2007 von 83,2% auf 81,9% für 2008. Das Exportvolumen für Druck-Erzeugnisse sank 2008 um 3,6%, das der Verlagserzeugnisse um 7,3%.
Auch das Volumen der Importe ist geschrumpft. Hier verzeichnet die Branche für 2008 einen Rückgang von rund 7%. Insgesamt bleibt die deutsche Druckindustrie aber weiterhin Nettoexporteur. Exporten in Höhe von 4,8 Milliarden Euro stehen Importe in Höhe von 2 Mrd. Euro gegenüber.
Das Konjunkturklima bleibt wegen der anhaltenden weltweiten Rezession schlecht. Etwa 60% der gesamten Druckproduktion ist von Werbeausgaben abhängig. Mit einem Produktionswert von rund sechs Mrd. Euro machen reine Werbedrucke und Kataloge mehr als ein Viertel der gesamten Druckproduktion aus. Ihr Druckvolumen konnte im Jahr 2008 um rund 2,5% zulegen. Ein Minus verzeichneten Zeitschriften (–6,2%) sowie Zeitungen und Anzeigenblätter (–3,3%). Die Produktion von Büchern ist um 1,9 Prozent auf einen Produktionswert von einer Milliarde Euro gesunken.


Print wächst in der Verbindung mit Online-Angeboten: Generell zeichne sich ein neues Zukunftsbild der Printbranche ab, so Verbandspräsident Rolf Schwarz. „Die rasante Entwicklung technischer Möglichkeiten von Druck, Bilderkennung sowie der Verknüpfung von digitalen und gedruckten Inhalten schaffen neue Anwendungen.“ Ein stetiges Wachstum verzeichnet der Bereich Corporate Publishing mit einem durchschnittlichen jährlichen Plus von rund 15%. Aus einer Mediendatenbank entstehen hierbei Print- und elektronische Medien gleichermaßen. Web-to-Print, individuali-sierte Druckprodukte, Außenwerbung mit Großformatdrucken und der Trend zu stark veredelten Druckprodukten seien Wachstumsmärkte der Druckindustrie, sagte Schwarz.
Hauptgeschäftsführer Thomas Mayer appelliert an die Finanzinstitute, mutige und zukunftsweisende Unternehmen in ihrer Investitions-bereitschaft zu unterstützen. Entgegen einiger Vorbehalte in Bank-kreisen gegenüber dem Mittelstand sei die Druck- und Medien-industrie auch für konjunkturelle Schwankungen solide aufgestellt. Ein Branchenvergleich in Zusammenarbeit mit der KfW-Banken-gruppe und weiteren Wirtschaftsverbänden zeigt, dass die Druck- und Medienindustrie gerade bei den für ein Rating und für Banken wichtigen Kennzahlen wie der Eigenkapitalbasis (27%), der Unter-nehmensliquidität (130%) und dem Cashflow (10,5%) gute Werte erzielt.
Mayer: „Bei der diesjährigen Bankenkonferenz des Verbandes haben die Branchenanalysten der Großbanken bestätigt, dass sich das Rating der Druckindustrie in den letzten Jahren verbessert hat.“ Bei sinkenden Gewinnmargen sei es der Branche in den letzten Jahren gelungen, damit eine sichere Unternehmensfinanzierung aufzu-bauen. Diese Entwicklung bewahre die Druck- und Medienunter-nehmen bisher vor einer hohen Insolvenzrate und Unternehmens-schließungen.

Zur Umsatzkrise in der Zeitungsbranche (PI9.7.09 BDZV): Die Umsätze aus Anzeigen und Beilagen sanken 2008 um 4,1% auf 4,64 Mrd. Euro, die Umsätze aus dem Vertrieb um 2,6% auf 4,37 Mrd. Euro. „Die Gesamtumsätze von 9,1 Mrd. Euro entsprechen dem Niveau von 1995.“

Überdurchschnittliche Ausbildungsquote (PI13.5.09 BVDM): Die Unternehmen der Druck- und Medienwirtschaft haben auch im Jahre 2008 einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung geleistet. 18 538 Auszubildende lernten einen Beruf in der Druckindustrie. Die Branche verzeichnet damit eine überdurchschnittliche Ausbildungsquote von 10% (Anteil der Auszubildenden an der Beschäftigtenzahl von 172 170). Obwohl die Gesamtausbildungsverhältnisse um 5% stiegen, sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse von 7129 auf 7067. Das ist ein leichter Rückgang von 0,87% gegenüber dem Vorjahr.
Die Gesamtausbildungsverhältnisse stiegen von 17 666 auf 18 538, was eine Zunahme um 4,94% bedeutet. Mediengestalter verzeich-neten bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnissen ein Plus von 2,40%. Rückläufig waren die Ausbildungszahlen beim Drucker um 2,04%, beim Buchbinder um 1%, beim Siebdrucker um 12,66% und beim Verpackungsmittelmechaniker um 13,97%. Mehr als 60% (exakt 61,4%) der Neuausbildungsverträge sind Medien-gestalter, gefolgt vom Drucker mit einem Anteil von 20,4%, dem Buchbinder mit 8,4% und dem Verpackungsmittelmechaniker mit 6,7%.
Der Anteil der Frauen liegt bei 36,8%, was eine Steigerung um 4% gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Beim Mediengestalter liegt der Anteil bei 53,1%. In den Berufen der Drucktechnik liegt der Anteil bei 9,9% und in der Druckweiterverarbeitung bei 19%. Auch hier haben sich die Anteile deutlich erhöht. Nur noch 4% aller Ausbildungs-verträge werden in handwerklichen Ausbildungsbetrieben abgeschlossen (266 von 7067 Ausbildungsverhältnissen). Am deutlichsten ist der Rückgang im Buchbinderhandwerk. Hier werden nur noch 21% der Buchbinderauszubildenden ausgebildet.
Die Ausbildungszahlen beim Mediengestalter verteilen sich auf folgende Fachrichtungen: Beratung und Planung 3,14%, Konzeption und Visualisierung 9,01% und Gestaltung und Technik 81,68%, wobei zu berücksichtigen ist, dass 6,16% keine Fachrichtung angegeben haben.
Bei der Analyse der Ausbildungszahlen fällt auf, dass es regional erhebliche Unterschiede gibt. Während in den meisten Bundes-ländern die Zahlen nur leicht gesunken sind, sind in den Ländern Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein Zuwächse zu verzeichnen.

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